Huch mein Hund schnarcht

Während die meisten Partner irgendwann das Zimmer wechseln müssen, finden wir es bei unseren Vierbeinern meist eher niedlich, wenn sie tief und fest schlafen und dabei schnarchen.

Nur woher weis ich, dass dies unproblematisch ist? Stört es meinen Hund? Kann oder muss ich etwas dagegen tun?

Wir erklären euch mögliche Ursachen und wann das Verhalten des Hunde auf ein gesundheitliches Problem hinweisen könnte.


INHALTSVERZEICHNIS

  1. Wie entsteht Schnarchen?
  2. Welche Gründe für Atemgeräusche gibt es und kann ich etwas dagegen tun?
    1. Übergewicht
    2. Alter
    3. Schlafposition
    4. Tumor/Abszess/Fremdkörper
    5. Erkältung/grippaler Infekt
    6. Allergie
    7. Kehlkopflähmung
  3. Der brachycephale Hund – was bedeutet das?
    1. Ausschnitt Universität Leipzig
    2. Welche Rassen sind betroffen?
    3. Wie äußern sich die Beschwerden?
  4. Fazit
  5. Bitte im Sinne des Tierschutzes

1. Wie entsteht Schnarchen?

Schnarchen (Fachwort: Rhonchopathie) ist ein Atemgeräusch der Einatmung (Inspiration), das durch Einengung der Atemwege und flatternde Bewegungen von anatomischen Strukturen der oberen Atemwege entsteht. Dies passiert meist während des Schlafes, da die Muskulatur entspannt und etwas erschlafft.

Bei sehr ausgeprägtem Schnarchen kann es zu einer Verminderung der Sauerstoffversorgung kommen, die allgemeine körperliche Leistung ist meist herabgesetzt.

Manche Hunde schnarchen nur beim Schlafen, andere wiederum auch tagsüber während sich wach sind. Hinzu kommt bei diesen Hunden häufig auch ein Röcheln.

Das Röcheln, was sowohl bei der Einatmung als auch bei der Ausatmung entstehen kann, ist ein rasselndes, keuchendes Atemgeräusch, welches immer in Zusammenhang mit erschwerter Atmung steht.


2. Welche Gründe für Atemgeräusche gibt es und kann ich etwas dagegen tun?

Bei den meisten Hunden, die Schnarchen, besteht kein Grund zur Sorge.

Viele Hunde schnarchen genau dann, wenn sie völlig tiefenentspannt oder ausgepowert sind. Wecke Deinen Hund nicht auf, denn die Tiefschlafphase ist wichtig und sollte von Deinem Vierbeiner genossen werden. Das Schnarchen selbst belästigt Deinen Vierbeiner überhaupt nicht – er bekommt es wahrscheinlich nicht einmal mit.

Sollte Dich das Schnarchen nachts aber doch zu sehr stören, kannst Du ihn selbstverständlich auch mal anstupsen, so dass er sich anders hinlegt.

Im folgenden erläutern wir euch weitere Gründe und Maßnahmen sowie welche davon bedenklich sein können.

I. Übergewicht

Durch zu hohes Gewicht kommt es auch zu Fetteinlagerungen im Halsbereich, was auf die Atemwege drücken kann. So wird Schnarchen ausgelöst oder verstärkt.

Adipositas (Fettleibigkeit) kann zu weiteren Folgeerkankungen wie Arthrose und Diabetes mellitus führen. Leidet (im wahrsten Sinne des Wortes!) Dein Hund unter Übergewicht, solltest Du mit Hilfe Deines Tierarztes oder eines Hundeernährungsberaters seine Fütterung entsprechend umstellen und das Idealgewicht besprechen.

II. Alter

Wie auch bei uns Menschen nimmt der Hang zum Schnarchen altersbedingt zu.

Die Straffheit des Gewebes nimmt ab und alles wird ein wenig lockerer. Aber was macht das bisschen Schnarchen schon aus, wenn man seinen Hund über alles liebt?

III. Schlafposition

Die meisten Hunde tun alles, um möglichst nah am Besitzer zu sein und quetschen sich daher lieber in ein zu enges Bett, als sich woanders bequem hinzulegen. Auch das Kopfauflegen bzw. – abstützen beim Liegen kann durch Abdrücken der Atemwege zu Schnarchgeräuschen führen.

Vielleicht ist Dein Welpe aber plötzlich doch viel größer geworden als gedacht und sein Hundebett ist einfach zu klein geworden. Ein neues Körbchen könnte ihm gut tun (dies muss man ausprobieren, manche Tiere geniessen ihr kleines Körbchen, da die Umrandung ihnen Sicherheit gibt).

Dein Hund wird dabei schon wissen, wie lange er diese Liegeposition aushalten kann und es besteht kein Grund zur Sorge.

Ausnahme: Es handelt sich um einen stark brachycephalen (kurzschnäuzigen) Hund der regelmäßig unter starker Atemnot bis Ohnmacht leidet. Hier sollte man versuchen, dem vierbeinigen Freund eine möglichst optimale Liegeposition zu verschaffen.

IV. Tumor/Abszess/Fremdkörper

Kurz und knapp fast alles, was den Luftstrom in den Atemwegen behindert, führt zu einem Geräusch.

Sollte Dein Hund also kontinuierlich stärker oder erst seit kurzem schnarchen, so kann es sich in seltenen Fällen auch um einen Tumor oder Abszess (Eiteransammlung, die eine Kapsel um sich herum bildet) handeln.

Auch Fremdkörper, also Dinge die wortwörtlich im Halse stecken bleiben, können zum plötzlichen Schnarchen führen.

Der Hund kann etwas eingeatmet oder sich unglücklich verschluckt haben – häufig ist dies dann nur mittels Endoskopie feststellbar.

V. Erkältung/grippaler Infekt

Ein Infekt der oberen Atemwege kann durchaus auch mal bei unseren Vierbeinern vorkommen.

Die Ursachen dafür sind meisten Viren. Es können aber auch Bakterien oder Pilze (Schimmelpilze aus der Wohnung!?) Schuld daran sein.

Leidet ein Hund neben dem Schnarchen noch an eitrigem Nasenausfluss, ist der Besuch beim Tierarzt unumgänglich.

Hustet Dein Vierbeiner zusätzlich, kann es sich um den sogenannten „Zwingerhusten“ handeln. Diese Erkrankung wird verursacht durch einen Komplex aus Viren und Bakterien.

Ob es sich um diese Halsentzündung handelt, kann selbstverständlich nur der Besuch beim Tierarzt klären.

VI. Allergie

Leidet Dein Vierbeiner unter einer Allergie, kann dies Anschwellen und somit zu Verengungen der Atemwege führen.

Allerdings äußern sich beim Hund Allergien weniger über die Atemwege als bei uns Menschen.

Ein Bienen- oder Wespenstich kann natürlich auch bei unseren Vierbeinern vorkommen – im Bereich der Atemwege kann dies gefährlich werden und sollte bei Verdacht sofort tierärztlich untersucht werden.

VII. Kehlkopflähmung (Larynxparalyse)

Darunter versteht man eine teilweise bis vollständige Lähmung der Kehlkopfmuskulatur. Die Ursache dafür ist neurologisch, genauer gesagt eine Erkrankung des „Nervus laryngeus recurrens“ oder des „Nervus vagus“.

Der Kehlkopf kann dabei bei der Einatmung nicht mehr richtig geweitet werden, die Stimmbänder gelangen bei der Einatmung in die Luftwege und es entsteht ein röchelndes Geräusch.

Meistens nimmt dies im Laufe des Alters immer mehr zu, bis der Besitzer schliesslich auch Atembeschwerden erkennt.

Der Hund leidet dabei im engeren Sinne nicht vermehrt unter Schnarchen, da es für Dich als Hundebesitzer aber nicht immer einfach ist, Schnarchen und Röcheln zu unterscheiden, habe ich dies hier mit aufgelistet.

Nun komme ich zu einem sehr traurigen, aber immens wichtigem Thema:

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3. Der brachycephale Hund – was bedeutet das?

Brachycephalie bedeutet übersetzt Kurzköpfigkeit. Diese ist durch gezielte Zucht entstanden, da Hunde dieser Rassen häufig das so genannte „Kindchenschema“ darstellen und für viele Menschen somit überaus niedlich aussehen.

Vereinfacht gesagt, ist der gesamte Atmungstrakt (von den Nasenlöchern über den Rachen bis zur Luftröhre) von diesen Hunden verengt und zusätzlich haben sie oft so gut wie keine sichtbare Schnauze.

Die physiologische (normale, gesunde und wichtige) Nasenatmung ist kaum möglich und die Hunde müssen verstärkt über das Maul atmen – daher auch das auffällige hecheln und schnarchen im Wachzustand.

Die Nasenatmung trägt unter anderem auch zur Kühlung des Hundekörpers bei, was bei diesen Rassen kaum mehr möglich ist. Daher haben sie unter Hitze besonders zu leiden und sind anfälliger für einen Hitzeschock/Hitzschlag.

Selbst das Schnarchen und röcheln, unter dem diese Tiere oft enorm leiden (auch wenn es so nicht immer ersichtlich ist) empfinden viele Besitzer als süß.

Meistens nicht aus Boshaftigkeit, sondern vielmehr aus Unwissenheit.

Nicht bei allen Tieren ist die Kurzköpfigkeit gleich stark ausgebildet, ich beziehe mich in diesem Artikel auf die (meist!) extremen Fälle.

Diese ererbte Erkrankung lässt die Tiere ein Leben lang leiden, führt zu schweren gesundheitlichen Schäden und somit einer geringeren Lebensqualität.

I. Folgend ein Ausschnitt von der Veterinärmedizinischen Universität Leipzig

„Kurzköpfige Hunde sind prädisponiert für Probleme der oberen Atemwege. Die Veränderungen werden unter dem Begriff Brachyzephales Atemnot-Syndrom (BAS) zusammengefasst. Als charakteristische Befunde gelten verengte Nasenlöcher und Nasenhöhlen, ein verlängertes und verdicktes Gaumensegel sowie Veränderungen am Kehlkopf. Diese Merkmale können einzeln oder in Kombination auftreten und beeinträchtigen die Atmungsfunktion, was zu unterschiedlich lauter, schnarchender Atmung und in schweren Fällen zu hochgradiger Atemnot, Blaufärbung der Schleimhäute (Zyanose) und zum Kollaps führen kann. Sommerliche Temperaturen verschlimmern die Symptome und führen nicht selten zu fatalen Erstickungsanfällen.“

II. Welche Rassen sind betroffen?

Besonders betroffene Rassen sind Möpse, Pekinesen, Boxer, Shi-Tsu, Boston Terrier und viele Bulldoggen (vor allem die französiche und englische).

Natürlich gibt es auch Mischlinge, die kurzköpfig sind.

III. Wie äußern sich die Beschwerden?

Neben dem Schnarchen zeigen die betroffenen Hunde eine geringe Belastbarkeit und häufiges oder ständiges Hecheln.

Die Nasenatmung ist teils kaum möglich, so dass das Fressen schwer fällt und die Hunde sich häufig verschlucken.

Bei Hitze oder Stress könne sich die Symptome noch verschlimmern, in manchen Fällen werden die Hunde bei zu hoher Belastung ohnmächtig.

Auch ein vermehrtes „Pressen“ des Bauches/der Bauchmuskeln bei der Ausatmung kann ein Hinweis sein.

Leider werden die genannten Symptome nicht immer vom Besitzer erkannt oder als „normal und immer schon da gewesen“ aufgenommen.

In besonders schweren Fällen muss eine Operation in Betracht gezogen werden, die mal mehr und mal weniger Erfolg hat, aber teils lebend rettend sein kann.

In erfolgreichen Fällen sieht man die Hunde plötzlich aufblühen, mehr Rennen und Spielen und natürlich bessern sich die Atembeschwerden.

Ziehst Du zusammen mit Deinem Tierarzt solch einen chirurgischen Eingriff in Betracht, kann es hilfreich sein, Deinen Hund in besonders problematischen Situationen (akute Atemnot, Ohnmachtsanfälle etc.) zu filmen. Dies hilft eventuell bei der Entscheidung.

Und: Kommt bei diesen Rassen noch Übergewicht hinzu (was leider häufig der Fall ist), verschlimmert sich die ganze Symptomatik noch mehr.


4. Fazit

Ist Dein Liebling aus unbedenklichen Gründen ein Schnarcher, musst Du es Wohl oder Übel akzeptieren. Ihn selbst wird es nicht stören.

Stört es Dich aber auf Dauer im Schlafzimmer zu sehr, verbanne ihn nicht plötzlich von heute auf morgen, sondern gewöhne in langsam daran.

Ansonsten kann es passieren, dass er die Welt nicht mehr versteht.

Wenn Du unsicher bist oder das Gefühl hast, dass das Schnarchen bedenklich ist, solltest Du Deinen Hund beim Tierarzt vorstellen.

Dieser wird Deinen Hund immer allgemein untersuchen und Dir diverse Fragen stellen (sogenannte „Anamnese“).

Dabei findet er häufig schon erste Anhaltspunkt für eine eventuelle Erkrankung.

Ebenso soltest Du bei plötzlich auftretendem starken Schnarchen, zusätzlicher Schlappheit oder Atemnot (Notfall!) zum Tierarzt fahren.

Je nach Ursache kann sich dies verschlimmern und sogar zu Erstickungsanfällen führen. Dies gilt es unbedingt zu vermeiden!

Leidet Dein Hund unter chronischen sehr starken Atemwegsproblemen, solltest Du einen spezialisierten Tierarzt aufsuchen und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen.

Tipp: Wenn Du noch keine eindeutige Diagnose Deines Tierarztes hast, kannst Du ein „Schnarch-Tagebuch“ führen.

Darin hältst Du fest, in welchen Situationen Dein Vierbeiner vermehrt schnarcht, wie häufig und wann es auftritt. Gab es eine Umgebungsveränderung? Ebenso alle Besonderheiten (z.B. Nasenausfluss, Schlappheit, Augenreizungen…), die Dir dazu noch einfallen.

Manchmal entdeckt man dabei einen „roten Faden“ und kommt schneller zu einer Diagnose oder sogar zu einer direkten Lösung.


5. Eine abschliessende Bitte im Sinne des Tierschutzes

So süß manche Hunderassen auch sind, kaufe keinen Hund aus einer Qualzucht. Hast Du Dich dennoch auf eine dieser Rassen fixiert, gibt es genügend Hunde, die in einem Tierheim sehnlichst auf ein neues zu Hause und viel Liebe warten.