Analdrüsen des Hundes

Die Analdrüsen (Sinus paranalis) der Hunde interessieren uns Hundehalter normalerweise recht wenig – warum auch?

Vielleicht bist Du auf diesen Artikel aufmerksam geworden, weil Dein Hund vermehrt auf dem Popo rutscht, sich häufig den After leckt oder unangenehm am Popo riecht? Dann könntest Du hier richtig sein!

Denn viele Hundehalter wissen oft gar nicht, dass ihr Hund Analdrüsen besitzt. Erst wenn die Analdrüsen anfangen zu stinken oder sich der Hund vermehrt am After leckt werden viele Hundehalter erstmals auf die Analbeutel aufmerksam.

Damit du alles wichtige über die Analdrüsen kennst, werden wir unseren Schwerpunkt heute auf das Thema Analdrüsen des Hundes widmen. Was ihre Funktion ist, welche Probleme es mit dem Analbeutel des Hundes geben kann und wie ihr eurem Hund helfen könnt. 


INHALTSVERZEICHNIS

  1. Was sind die Analdrüsen des Hundes und wo befinden sie sich?
  2. Wofür sind sie da?
  3. Probleme und Ursachen
    1. Stress oder Angst
    2. Darmerkrankungen
    3. Fütterung
    4. Übersäuerung
    5. Stoffwechselerkrankungen
    6. Genetik
    7. Entzündung
    8. Tumoren
  4. Symptomatik
    1. Schlittenfahren
    2. vermehrtes Lecken
    3. Schmerzen
    4. veränderte Körperhaltung
    5. Entzündungsanzeichen im Analbereich
    6. Leckdermatitis
    7. Lustlosigkeit
    8. Aggression
    9. Geruch Deines Hundes
    10. Gestank im Haushalt
  5. Was tun?
    1. Behandlung zu Hause
    2. Prophylaktische Maßnahmen
    3. wie häufig Entleeren?
  6. Gang zum Tierarzt und Behandlungsmaßnahmen
    1. Was macht die Tierärztin?
  7. Zusammenfassung

1. Was sind die Analdrüsen des Hundes und wo im Körper liegen sie?

Analdrüsen und Analbeutel werden als Begriff oft gleichgesetzt, wobei streng genommen bei den Hunden der Begriff „Analbeutel“ korrekt ist.

Die Analbeutel sind zwei dicht unter der Haut, in der Aftermuskulatur eingebettete, liegende Drüsen am After (Darmausgang).

Schaut man den Hund von hinten an, wird die Lage der Drüsen mit „etwa auf 8 und 16 Uhr“ beschrieben.

Das von den Drüsen produzierte Sekret wird in die Analbeutel abgegeben und dort gespeichert.

Das produzierte Sekret ist bräunlich, flüssig bis fest und stinkend.

Hund guckt interessiert

Verweilt es über längere Zeit in den Analdrüsen des Hundes, so kann es eine harte-bröckelige Konsistenz annehmen.

In der Regel wird dieses Sekret dann beim Kotabsatz über einen Ausführungsgang in den After mit ausgeschieden: Wird der Kot aus dem Enddarm gepresst, so werden die Analbeutel durch den mechanischen Druck entleert.

Dies erklärt, warum Hunde mit (zu) weichem Kot vermehrt zu Verstopfungen oder Entleerungsstörungen der Analdrüsen leiden.

Auch wenn der Kot sehr fest ist, kann dies durch Abdrücken der Ausführungsgänge oder Reizung des Enddarms Probleme bereiten, ist aber seltener der Fall.

Das Sekret riecht für uns Menschen absolut unangenehm und stechend. Jeder der schon mal das Vergnügen hatte das Sekret aus den Analdrüsen des Hundes zu riechen, wird es so schnell nicht vergessen.


2. Warum hat ein Hund überhaupt Analbeutel?

Fast alle Raubtiere besitzen Analdrüsen. Diese dienen zur Reviermarkierung des Territoriums als „individuelle Duftmarke“.

Somit dienen sie zu der Kommunikation mit Artgenossen, die auch durch das gegenseitige Beschnuppern am Hundepopo beobachtet wird.

Zusätzlich soll es die Paarungsbereitschaft eines Tieres anzeigen und dient damit der Fortpflanzung.

Sowohl Rüden als auch Hündinnen besitzen Analbeutel.


3. Was sind die typischen Probleme und deren Ursachen

Nicht wenige Hunde leiden regelmäßig oder irgendwann im Leben einmal unter Analbeutel-Problemen. Dazu zählen Verstopfung oder Entzündung, in manchen Fällen aber auch Tumorerkrankungen.

Wir das Sekret nicht mehr richtig entleert, produzieren die Analdrüsen des Hundes trotzdem weiter, das vorhandene Analsekret verfestigt sich und es kommt zu einer Überfüllung und Verstopfung.

Folgende Ursachen kommen in Frage:

I. Stress oder Angst

In Situationen, in der der Hund aufgeregt ist, kommt es manchmal zu einer vermehrten Produktion des Sekrets und/oder zu einer spontanen Entleerung.

Das kann bei der Ankunft von Besuch schon mal sehr unangenehm werden und sollte möglichst mit Humor über die stinkige Begrüßung betrachtet werden.

Folgt auf die Überproduktion keine regelmäßige Entleerung, so kann dies zu einer Verstopfung der Analbeutel führen.

Hunde jagen um die Wette

II. Darmerkrankungen

Alle Erkrankungen, die den Kot weicher machen, können eine Verstopfung der Analbeutel auslösen.

Dazu zählt vor allem Durchfall und eine gestörte Darmflora.

Ein erster Schritt bei unklarer Ursache für den weichen Kot wäre in diesem Fall eine gründliche Kotuntersuchung Deines Hundes.

Bei einer Darm-Verstopfung fehlt natürlich auch die mechanische Entleerung der Analbeutel, wodurch diese ebenso verstopfen können.

III. Fütterung

Hat Dein Hund ständig zu weichen Kot, kann dies auch an der Fütterung liegen.

Dazu zählen beispielsweise:

  • abrupter Futterwechsel
  • Futter mit wenig Ballaststoffen bzw. Rohfaseranteil
  • schlechte Futterqualität
  • individuelle Unverträglichkeiten.

Manche Hundebesitzer, die ihre Hunde mit rohem Fleisch füttern („BARF“) oder regelmäßig Knochen geben berichten, dass ihre Hunde seitdem weniger Probleme mit Durchfall haben.

Durchgeführte Studien dazu liegen zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht vor.

IV. Übersäuerung

Ist die Darmflora Deines Doggos nicht im optimalen Gleichgewicht, kann dies mit einer Übersäuerung des Dickdarms (Enddarms) in Zusammenhang stehen.

Durch die Übersäuerung kommt es unter anderem zu einer Reizung und schnelleren Entzündung der Analregion.

Eine Kotuntersuchung auf eine sogenannte Dysbakteriose/Dysbiose und die Gabe von Pro,- und Präbiotika kannst Aufschluss geben, hilfreich sein und ist auf jeden Fall im Sinne der Gesamtgesundheit Deines Hundes einen Versuch wert.

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V. Stoffwechselerkrankungen

Jegliche Organ-, oder andere Erkrankungen, die zu einem unregelmäßigen oder weichem Kot sowie einem Ungleichgewicht der Darmflora führen, können letztendlich eine Verstopfung und Entzündung der Analeutel hervorrufen.

Hier muss zunächst versucht werden, die Grundursache zu therapieren und dann bekommt man auch die Analdrüsenprobleme wieder in den Griff.

VI. Genetik

Bei vielen Hunden lässt sich keine konkrete Ursache für Analdrüsenprobleme festmachen.

Die genetische (erbliche) Veranlagung spielt bei diesen Hunden vermutlich häufig die Hauptrolle.

Sie produzieren entweder zu viel Sekret und/oder haben anatomisch bedingt Probleme mit der Entleerung.

Ebenso kann ein schwaches Bindegewebe dazu führen, dass manche Hunde sehr schnell eine, wenn auch nur leichte, Füllung des Analbeutels als sehr unangenehm wahrnehmen.

In diesen Fällen kann nach Ausschluss einer Erkrankung versucht werden, den Hund fütterungstechnisch zu unterstützen.

Hund schläft im Arm süß

VII. Entzündung

Eine Entzündung der Analdrüsen beim Hund ist meist Folge einer unbehandelten Verstopfung der Analbeutel!

Es kann sich zunächst um eine leichte Entzündung handeln, die im späteren Fällen zu Fieber, Abszessen oder Fistelbildung führen kann.

Bei einer Entzündung entscheidet der Tierarzt je nach Schweregrad, was die geeignete Therapie ist.

VIII. Tumoren

Selten kommen andere Ursachen wie Verletzungen am Anus oder Tumoren des Darmes/der Analdrüsen in Frage.

Die Behandlung erfolgt abhängig von der Erkrankung.


4. Symptome einer Erkrankung oder Verstopfung der Analbeutel

Folgende zwei sehr typische Symptome können ein Hinweis sein:

I. Schlittenfahren

Der Hund rutscht mit seinem Hinterteil ständig und überall über den Boden (vor allem Teppiche, draußen im Gras) und bewegt sich dabei „sitzend und rutschend“ fort.

Grund: Er versucht so, die zu vollen Analbeutel zu entleeren.

Ebenso kann es sein, dass durch die saure Wirkung des Sekrets oder eine Übersäuerung des Darminhalts die Schleimhaut angegriffen ist und dies zu Juckreiz führt und er so versucht, diesen zu stillen.

Manchmal ist das Schlittenfahren allerdings auch ein Zeichen von starkem Wurmbefall. Dieser kann durch eine Kotuntersuchung festgestellt werden.

II. Belecken der Analregion

Jeder Hund putzt sich hin und wieder durch Belecken seine Analregion.

Zeigt Dein Hund aber ein vermehrtes Interesse an seinem Popo und leckt sich den After ständig, dann kann dies ein Hinweis auf gefüllte oder entzündete Analbeutel sein.

Manchmal knabbert und beißt sich der Hund in dem verzweifelten Versuch, das unangenehme Gefühl zu beseitigen (ebenso verhält sich der Hund oft bei lästigem Flohbefall).

III. Schmerzen beim Kotabsatz

Ist dies der Fall, deutet es schon auf eine längere Verstopfung oder meist sogar auf eine Entzündung hin, denn Schmerz ist ein Entzündungszeichen.

IV. Veränderte Körperhaltung

Manche Hunde empfinden den Druck oder Schmerz als so unangenehm, dass sie gekrümmt Laufen oder sich nicht mehr hinsetzen möchten.

Auch hektische, plötzliche panische Bewegungen oder Schwanzjagen sind möglich.

V. Entzündungsanzeichen im Analbereich

Ist eine Entzündung schon stark fortgeschritten, lässt sich manchmal von außen eine Schwellung, Rötung oder sogar der Ausfluss von Eiter feststellen.

Manchmal sieht man eine richtige Beule an einer oder beiden Seiten neben dem After.

VI. Leckdermatitis

Leckt sich Dein Hund schon über längere Zeit, so kann es zu einer Entzündung der Haut um den Afterbereich kommen, auch kahle Hautstellen treten dabei auf.

VII. Lustlosigkeit

Hast Du einen sehr sensiblen Doggo oder reagiert Dein Hund bereits mit Fieber, so kann sich dies in einem veränderten, apathischen Verhalten äußern.

Hund steht glücklich im Regen auf den Gleisen

VIII. Aggression

Durch den Schmerz oder starken Druck kann ein Hund in seltenen Fällen auch aggressiv reagieren. Er kann den Ursprung des Schmerzes nicht einordnen und reagiert eventuell aggressiv gegen andere Hunde oder sogar den Halter.

IX. (Maul)Geruch

Schafft es Dein Hund durch Belecken seine Analbeutel zu leeren, landen Teile des Sekrets in seinem Maul – der Gestank verschwindet mit der Zeit.

Es kann auch passieren, dass Du einen unangenehmen Geruch an Deinem Hund wahrnimmst, diesen aber nicht genau orten kannst. Es kann in diesem Fall das Sekret der Analdrüsen die Ursache sein – gerade bei langhaarigen Hunden kann dies schon mal im Fell hängenbleiben.

X. Gestank in der Wohnung oder im Haus

Riecht es an manchen Stellen im Haushalt plötzlich echt ekelig, kann dies entleertes Sekret aus den Analdrüsen sein. Jetzt ist ordentliches Putzen angesagt – der Geruch setzt sich ziemlich fest…

Auch ein verschmierter Anus kann ein Hinweis sein.


5. Wie gehe ich nun vor?

Schafft es Dein Hund nicht von selbst, die Analbeutel zu entleeren, muss ihm geholfen werden.

Denn: Je länger das Sekret in den Beuteln verweilt, desto mehr dickt es ein und es wird noch schwieriger, es zu entleeren.

Gleichzeitig beugst Du so einer schweren Entzündung vor und ersparst Deinem Hund weitere Unannehmlichkeiten oder Schmerzen.

Du hast nun 2 Möglichkeiten: Du gehst zum Tierarzt oder entleerst die Analbeutel mit der Hand von selbst.

I. Die Analbeutel selber ausdrücken

Mit etwas Übung kannst Du selber lernen, die Analbeutel Deines Hundes zu entleeren – vorausgesetzt sie sind nur leicht verstopft und es gibt keine weiteren Komplikationen.

Vorteil: Dies spart Dir einige Gänge zum Tierarzt, den damit verbundenen Stress und schont zudem etwas den Geldbeutel (obwohl das Entleeren an sich wenig kostet).

Allerdings rate ich dazu, Dir das Entleeren zuerst von einem Fachmann Tierarzt, Heilpraktiker, qualifizierter Hundefrisör etc. zeigen zu lassen!

Unsachgemäße Versuche können zu einer Entzündung oder sogar Verletzung der Analregion führen!

Es gibt verschiedene Varianten, wie die Beutel entleert werden können, alle haben allerdings gemeinsam, dass es dafür ein wenig Übung braucht. Also nicht verzweifeln, wenn es nicht auf Anhieb klappt und es bestialisch stinkt – unbedingt im Freien und mit Handschuhen ausdrücken!

Es gibt eine Menge Hundebesitzer, die mit der Zeit zu echten „Experten“ auf dem Gebiet werden und ein gutes Gefühl dafür entwickeln, wann und in welchen Situationen ihr Hund Probleme hat. Ebenso bemerken sie kleinste Veränderungen an ihrem Hund schneller und wissen oft, wann sie ihren Doggo lieber doch beim Tierarzt vorstellen müssen.

Wichtig ist auch die Pflege der Analregion, denn jedes manuelle Entleeren mit der Hand reizt die Drüsen zusätzlich und leichte Entzündungen entstehen schnell.

Nach dem Entleeren sollte der Anus vorsichtig mit einem weichen Tuch gesäubert und bei Bedarf eingecremt werden. Hier werden verschiedene Produkte empfohlen.

Hund ist in Decke eingewickelt und schaut süß

Dazu gehören Beispielsweise:

  • Kamillenteetupfer
  • Ringelblumensalbe
  • Zinkhaltige Salbe
  • Manuka Honig
  • Bepanthen-Salbe
  • Propolisprodukte
  • …die Liste ist unbegrenzt…

Bei unkomplizierten Fällen reicht allerdings meist lauwarmes Wasser.

Wenn Du Dir das Ausdrücken selbst nicht zutraust oder es ekelig findest, ist das absolut verständlich.

Vielleicht kennst Du ja auch jemanden, der das Ausdrücken beherrscht oder Du wendest Dich regelmäßig an Deinen Tierarzt.

II. Weitere Tipps zur Vorbeugung (Prophylaxe)

  • Das wichtigste: Dein Hund sollte so ernährt werden, dass er möglichst konstant geformten, regelmäßigen und festen Stuhlgang hat.
    • Fütterung: Du kannst probieren, den Ballaststoffgehalt im Futter durch Flohsamen oder Möhren zu erhöhen. Dies fördert eine gesunde Verdauung. Ebenso kann bei zu weichem Kot eine generelle Futterumstellung hilfreich sein. [Link zu „Hund Verstopfung“!]
  • Auf Hygiene achten: Fellpflege und Pflege der Analregion – wobei es auch nicht übertrieben werden sollte. Normalerweise reinigen sich unsere Hunde ziemlich gut von selbst.
    • Beseitige vorsichtig Kotverschmutzungen rund um den After und Creme ihn bei vorliegen einer Entzündung mit entzündungshemmender Salbe ein. Manchmal kann es nötig sein, das Fell am Hinterteil etwas zu schneiden.
  • Du kannst einen Tierheilpraktiker oder naturheilkundlichen Tierarzt aufsuchen. Dieser kann Dir vor allem bei chronischen Problemen entsprechende pflanzliche Präparate/Salben, homöopathische Mittel oder sogar Akupunktur empfehlen. Ebenso kannst Du mit ihm/ihr eine Darmsanierung besprechen.
  • Drücke die Analbeutel nicht prophylaktisch aus, es sei denn, Du hast dies mit Deinem Tierarzt ausdrücklich so besprochen! Zu häufiges Ausdrücken kann dazu führen, dass Dein Hund noch mehr Sekret produziert, die Analbeutel gereizt werden oder Dein Hund noch häufiger an einer Verstopfung der Analbeutel leidet.
  • Versuche, die Grundursache zu finden – dazu kannst Du eine Art Tagebuch führen, in dem Du aufschreibst, in welchen Situationen Dein Doggo besonders Probleme entwickelt.

III. Wie oft müssen die Analbeutel entleert werden?

Hund liegt auf der Liege beim Tierarzt

Die meisten Hunde haben niemals in ihrem Leben Probleme mit den Analdrüsen und eine Entleerung durch den Menschen ist nicht nötig.

Andere wiederum müssen einfach alle paar Wochen die Drüsen entleert bekommen, leben aber damit gut und ohne weitere Probleme.

Generell lässt sich sagen: Sobald Dein Hund wieder Symptome zeigt und diese nicht von selbst besser werden, ist es wahrscheinlich wieder an der Zeit.

Ebenso ist dann meist eine deutliche Füllung der Analbeutel zu fühlen.

Wie häufig die Drüsen Deines Hundes entleert werden sollten (Intervall), besprichst Du mit Deinem behandelnden Tierarzt.

Die Abstände können auch variieren, je nach Ursache der Probleme.


6. Wann sollte ich zum Tierarzt gehen und was wird dort gemacht?

In folgenden Situationen solltest Du Deinen Tierarzt aufsuchen:

  • Du hast erstmalig den Verdacht auf ein Problem mit den Analbeuteln
  • Du schaffst es nicht, die Beutel zu entleeren (keine „Gewalt“ anwenden! – dies kann eine schwere Entzündung oder Verletzung zur Folge haben)
  • bei jedem Verdacht einer systematischen Erkrankung (z.B. Fieber, Schlappheit, Inappetenz)
  • das Sekret ist blutig oder eitrig
  • bei jedem Verdacht einer Entzündung der Analbeutel
  • Dein Hund hat Schmerzen in der Analregion (Aufjaulen beim Belecken; sich nicht mehr Hinsetzen wollen, Schmerzen beim Kotabsatz)
  • Dein Hund schafft es nicht, Kot abzusetzen
  • bei sichtbaren Veränderungen im Analbereich (Schwellungen, Rötungen, Wunden, Haarausfall, Ausfluss von Eiter)

Tipp: Leckt Dein Hund sich heftig und Du erkennst bereits eine Entzündung oder Leckdermatitis, kannst Du die Zeit, bis er vom Tierarzt untersucht wird, versuchen ihm eine Halskrause oder einen anderen „Leckschutz“ zu verpassen.

So verschlimmert sich die Entzündung durch das viele Lecken nicht noch weiter.

I. Was macht die Tierärztin?

Hund liegt auf einem Kissen und schaut neutral

Deine Tierärztin wird versuchen, mit Dir zusammen die Grundursache für Probleme mit den Analbeuteln zu finden.

Beispielsweise wird sie Deinen Hund meist auch auf Tumoren, Geschwüre und Fisteln (Ausführungsgänge von Entzündungen) in der Analregion manuell untersuchen.

Sollte Dein Hund unter zu weichem Kot leiden, wird sie mit Dir mögliche weitere Maßnahmen besprechen.

Leidet Dein Hund unter Fieber oder allgemeiner Schlappheit, so entscheidet sie, ob weiterführende Untersuchungen notwendig sind.

Ebenso wird sie die Analbeutel manuell entleeren und sich das Sekret anschauen. Ihr geübtes Auge kann leicht entzündliche Veränderungen erkennen.

Reicht die manuelle Entleerung nicht aus oder liegt eine Entzündung vor, müssen die Analbeutel manchmal gespült werden. Bei den meisten Hunden ist dies ohne Sedation/Narkose möglich, ist der Schmerz oder die Aufregung Deines Doggos zu groß, muss er eventuell etwas müde gemacht werden.

Je nach Schweregrad der Entzündung wird sie zusätzliche Medikamente wie Antibiotika, entzündungshemmende Substanzen oder Salben anwenden oder verschreiben und Dir Anweisungen für die Behandlung zu Hause mitgeben.

In schweren Fällen kommt es zu einer Abszessbildung. Dies ist ein mit Eiter gefüllter Hohlraum, der sich aus einer Entzündung entwickeln kann. Diese müssen dann häufig chirurgisch eröffnet werden.

Als absolut letzte und in der Praxis auch eher seltene Maßnahme können die Analbeutel chirurgisch entfernt werden. Da dies aber zu einer Kotinkontinenz führen kann (der Hund kann seinen Kot nicht mehr halten, da der Schliessmuskel bzw. die entsprechenden Nerven verletzt wurden), wird dies nur in sehr schweren, chronischen (langandauernden) Fällen als Option in Betracht gezogen.

Zur Beruhigung: Die allermeisten Hunde, die Probleme mit den Analbeuteln haben, müssen nicht chirurgisch behandelt werden. Eine gute Prophylaxe und regelmäßige (wenn nötige!) Entleerung reicht meist aus.


7. Zusammenfassung

Neben der Behandlung der Verstopfung und Entzündung der Analdrüse muss versucht werden, das Grundproblem zu finden und zu therapieren.

Dieses ist aber nicht immer auszumachen und Du als Hundebesitzer/in wirst mit der Zeit den optimalen Behandlungsplan für Deinen Hund herausfinden.

Bei jeglichen Unsicherheiten lieber einmal zu viel als einmal zu wenig Deinen Tierarzt aufsuchen.

Das Ausdrücken kann zur Routine werden und wird das Zusammenleben mit Deinem Doggo nicht beeinträchtigen – hier gilt: Übung macht den Meister!

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Julia Brüner
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