Giardienbefall beim Hund – wie wird mein Hund wieder gesund?

Giardien sind eines der häufigsten Ursachen für akuten oder chronischen Durchfall beim Hund, vor allem bei Welpen und Junghunden.

Kommt ein Junghund mit Durchfall und Erbrechen in die Tierarztpraxis, so ist eine parasitäre Infektion häufig die Ursache.

Nicht wenige Hundebesitzer quälen sich bei Befall ihres Vierbeiners sehr lange Zeit mit diesen kleinen Parasiten herum, denn teilweise sind diese sehr schwer vollständig zu eliminieren.

Dieser Artikel beschreibt euch das Krankheitsbild der Giradiose (auch Giardiasis oder Lambliasis genannt) sowie erforderliche Maßnahmen und mögliche Therapien.


INHALTSVERZEICHNIS 

  1. Was sind Giardien?
  2. Übertragung/Infektionswege
  3. Symptome
  4. Diagnostik
  5. mögliche Therapien/Therapiekombinationen
    1. Medikamente
    2. Ernährungsumstellung
    3. Hygienemaßnahmen
  6. Vorbeugung (Prophylaxe)
  7. Wann muss ich zum Tierarzt?
  8. Prognose
  9. Fazit und abschliessende Worte

1. Was genau sind Giardien?

Giardien (Lamblien) gehören zu den Darm-Parasiten verschiedenster Tiere und auch des Menschen.

Mikroskopisch gesehen gehören sie zu den Einzellern (Protozoen), wobei ihre Gattung mehr als 40 verschiedene Arten umfasst. Sie besitzen an ihrem Ende eine Geißel, mit dieser können sie sich fortbewegen. Daher werden sie auch zu den Geißeltierchen (Flagellaten) gezählt.

Die Giardiose der Säugetiere (und auch den Menschen!) wird durch die Gattung „Giradia intestinalis“ verursacht (auch „Giardia duodenalis“ genannt), wobei diese wiederum in verschiedene Subtypen (Genotypen) unterteilt werden kann.

Einige dieser Subtypen befallen sowohl den Hund als auch den Menschen, weshalb diese Erkrankung zu den sogenannten Zoonosen gezählt wird.

→ Eine Zoonose ist eine zwischen Mensch und Tier übertragbare Erkrankung.

Allerdings sind die beim Hund vorkommenden Genotypen häufig nicht die, die auch den Menschen befallen können.

Besondere Vorsicht ist aber bei Hunden aus dem Ausland geboten, da dort eventuell (je nach Herkunftsland) vermehrt die den Menschen befallenden Subtypen vorherrschen.


Eine Übertragung findet also zwar sehr selten statt, trotz allem muss vor allem mit kleinen Kindern oder bei immunsupprimierten Familienmitgliedern bei einem Befall auf strenge Hygiene geachtet werden, um das vorhandene kleine Risiko weiter zu minimieren.

Ebenso ist nicht auszuschliessen, dass die Giardien (Darm-Parasiten) auf andere Tierarten im Haushalt übertragen werden können, weshalb diese bei einem Befall nach Rücksprache mit dem Tierarzt meist entweder mit untersucht oder gleich mit behandelt werden (in einfach Fällen kann auch zunächst abgewartet werden, ob Symptome auftreten).

Wo im Körper leben die Giardien?

Die Giardien leben wie der Name Darm-Parasiten bereits erklärt im Darm. Meistens leben die Parasiten im Dünndarm, seltener im Dickdarm,  unserer Doggos und vermehren sich dort.

Teilweise können diese Parasiten sich in die Gallengänge, die von der Leber kommend in den Dünndarm münden, zurückziehen und lange Zeit persistieren (verbleiben) ohne Symptome auszulösen.

Dies ist ein Grund dafür, dass der Befall mit diesen Parasiten teilweise symptomlos bzw. mit symptomfreien Etappen verläuft. Ebenso erschwert dies die Medikamentöse Therapie.

Nach der Infektion über das Maul (oral) vermehren sich die Einzeller zunächst im Dünndarm (dort leben sie als sogenannte Throphozoiten) und enwtickeln sich später im Enddarm (letzter Dickdarmabschnitt) zu den Giardien-Zysten und werden als diese ausgeschieden.

Die Trophozoiten sind die fruchtbare Form der Darm-Parasiten Giardien, welche an der Darmwand anheften (aber nicht in den Darm eindringen) und neue Zysten bilden.

Zysten sind die Dauerform der Giardien, die ihnen das Überleben ausserhalb des Wirtes für eine Zeit lang möglich macht. Die Giardienzysten sind sehr resistent und widerstandsfähig, sowohl gegen Umwelteinflüsse als auch teilweise gegen Desinfektionsmittel und Medikamente.

Ein Hund, der Giardienzysten ausscheidet, ist hoch infektiös, was vor allem in Tierheimen oder an Orten, wo sich viele Hunde auf engem Raum befinden, ein Problem ist.


2. Wie kann sich ein Hund infizieren?

Ausserhalb eines Wirtes (also das Lebewesen, dass sie zur Vermehrung benötigen) sind die Giardien leider recht lange überlebensfähig.

So können sie je nach Umgebungsbedingungen bis zu 3 Monate in der Umwelt infektiös bleiben. Vor allem feuchtes Klima begünstigt den Erhalt der Infektiösität besonders.

Das bedeutet, wenn sie in dieser Zeit von Deinem Hund aufgenommen werden, sind sie noch in der Lage ihn anzustecken und sich in ihm zu vermehren um anschliessend wieder ausgeschieden zu werden.

Im Kot selbst sind sie etwa 1 Woche lang infektiös.

Da enorme Mengen an Giardienzysten mit dem Kot ausgeschieden werden (mehrere Millionen Zysten pro Gramm Kot) ist die Möglichkeit der Ansteckung natürlich sehr groß – zumal etwa 10 Zysten für eine Erkrankung ausreichend sind!

Die Infektion erfolgt oral, sprich, über das Maul.

Dies erfolgt entweder direkt von Hund zu Hund oder indirekt über die Umwelt durch ausgeschiedenen Kot.

Die Zysten können sich sowohl noch im Kot anderer Hunde befinden, ebenso aber in der gesamten Umwelt wie zum Beispiel in Regenpfützen oder infiziertem Futter.

Schnüffelt oder leckt Dein Doggo nun an einer mit Zysten befallenen Stelle, so kann er sich so infizieren.

Ebenso stecken sich die Doggos natürlich auch beim direkten Kontakt mit Artgenossen an, wenn sie sich zur Begrüßung gegenseitig am Hintern schnuppern oder sogar ablecken.

Ein Teil der Zysten bleibt vor allem bei langhaarigen Hunden schnell am After oder im Fell um den Afterbereich herum hängen.

Aber auch das Eintragen von Zysten mit den Schuhen in die Wohnung ist möglich, manche Welpen hingegen haben sich schon bei ihrer Mutter infiziert.

Eine Übertragung durch Fliegen, die zuerst auf befallenem Kot und später beispielsweise am Hundenapf sitzen, ist leider auch möglich.

Wie Du siehst, es gibt viele Wege, woher eine Infektion kommen kann und der Ursprung ist meistens nicht auszumachen, sondern nur zu vermuten.

Da zusätzlich die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zu ersten Symptomen) meist zwischen 7-21 Tagen liegt, ist eine Rückverfolgbarkeit der Quelle umso schwieriger.

[hier evtl. ein Schema oder Tabelle der Infektionswege einfügen?]

Der Kot von Welpen und Junghunden gilt dabei als besonders ansteckend, da dieser meist eine sehr hohe Zahl an Zysten enthält.

Die Zysten gelangen in den Dünndarm, heften sich dort an die Dünndarmwand und wandeln sich wieder zu Trophozoiten um. Die Vermehrung erfolgt durch Zweiteilung Millionen- bis Milliardenfach.

Insbesondere junge Hunde mit einem noch nicht völlig ausgereiften Immunsystem (und der Darm beherbergt eine enorme Anzahl von Immunzellen!) infizieren sich mit Giardien und zeigen Symptome.

Studien sprechen von bis zu 70% infizierter Junghunde und selbst unter optimalen Bedingungen haben auch im Erwachsenenalter noch etwa 10-20%  Hunde Giardien, die zu Durchfall führen können, in sich beherbergt.


3. Welche Symptome hat mein Hund bei Giardienbefall?

Vorab:

Nicht jeder Hund, der befallen ist, zeigt Symptome. Erfahrungsgemäß sind viele erwachsene Hund keinerlei symptomlos, obwohl sie mit den Giardien infiziert sind.

Diese Hunde scheiden die Darm-Parasiten jedoch häufig trotzdem aus und sollten bei nachgewiesener Infektion behandelt werden.

Die Ausprägung der Symptomatik ist abhängig von der Stärke des Befalls, von der Ernährung, dem Immunsystem des Vierbeiners und dem Alter.

So kann es gut sein, dass ein Hund mit einem gesunden Immunsystem und der richtigen Ernährung die Infektion in Schach halten und gut mit diesem Parasitenbefall leben kann.

→ Meist erkranken daher Welpen oder geschwächte Tiere stärker und zeigen daher auch Symptome, viele Autoren sprechen daher auch von einer Junghunderkrankung.

Durch das Anhaften an der Darmschleimhaut (Darmepithel) wird diese geschädigt, was zu  Durchfall führt und eine unzureichende Nährstoffaufnahme mit sich zieht.

→ Daher magern die betroffenen Hunde teils ab, obwohl sie nicht weniger fressen.

Zusammenfassung möglicher Symptome bei Giardiasis:

  • Hauptsymptom (Leitsymptom): Durchfall (typischerweise schleimig, teils schaumig, sehr stinkend, wässrig/dünnbreiig, meist hell teilweise blutig)
  • Erbrechen (seltener)
  • Gewichtsverlust trotz gleichbleibender Futteraufnahme
  • bzw. fehlende Gewichtszunahme bei Welpen und Junghunden
  • Appetitlosigkeit
  • struppiges Fell
  • Abgeschlagenheit/Mattigkeit
  • Brauchkrämpfe

Typisch und relativ häufig ist auch, dass die Symptome zwischenzeitlich abklingen und eine Zeit später wiederkehren. Durch diese Tücke werden Giardien häufig erst später diagnostiziert, da durch die scheinbare Genesung des Hundes kein Tierarzt aufgesucht wird.


4. Wie diagnostiziert der Tierarzt die Giardien?

Die Ausscheidung der Giardien kann über Wochen bis Monate dauern,  bleibt teilweise aus und setzt in einem anderen Moment wieder ein.

Dieses intermittierende Ausscheiden führt in der Diagnostik manchmal zu falsch negativen Ergebnissen

Bei starkem Verdacht auf Giardienbefall sollte daher ein Test im Zweifel an einer neuen Kotprobe durchgeführt werden.

Die Zeit von der Aufnahme bis zur Ausscheidung wird mit 5-16 Tagen angegeben, was für die Bedeutung der Ansteckung anderer Hunde und für die Diagnostik sehr wichtig ist.

Ebenso ist es gerade bei Welpen möglich, dass sie noch unter zusätzlichen weiteren Parasiten wie Kozidien oder Spulwürmern leiden und die Symptome daher verschlimmert werden.

Diagnostik im Kot

Es gibt verschiedene Test auf dem Markt, die zur Anwendung kommen können. In aller Regel empfiehlt man eine sogenannte Sammelkotprobe zu untersuchen. Dabei sammelst Du an 3 aufeinanderfolgenden Tagen kleine Mengen des Kotes (etwa Walnussgrösse) in ein und demselben Gefäß. Die Lagerung sollte kühl erfolgen.

Durch die mehrmalige Sammlung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass nachweisbare Zysten (Parasiten, die für Durchfall verantwortlich sind) im Kot zu finden sind, da sie ja wie beschrieben nicht immer ausgeschieden werden.

Diese Kotprobe gibst Du dann bei Deinem Tierarzt ab – entweder untersucht dieser die Probe auf Parasiten dann in der Praxis selbst oder schickt sie in ein Labor.

Das Laborergebnis dauert durch den Transport natürlich etwas länger, ist hingegen oft durch die direkte Anlegung eines „Kotprofils“ (Untersuchung auf mehrere Erreger und Parasiten) ausführlicher und umfasst den Nachweis der meisten Parasiten im Darm.

Je nach Zustand und Ausgangslage wird Dein Tierarzt mit Dir das geeignete Vorgehen besprechen.

→ Spätestens bei wiederkehrenden Durchfällen ist diese Art der Kotuntersuchung im Labor anzuraten.

Meistens wird ein sogenannter ELISA-Test verwendet, dabei werden vereinfacht gesagt Teile der Zysten nachgewiesen. Dies ist ein sogenannter Schnelltest und dauert in etwa 10 Minuten (manche auch weniger).

In einer anderen Methode kann versucht werden, die Giardien direkt mikroskopisch nachzuweisen, was aber häufig durch das Vorhandensein des ELISA-Testes nicht mehr gemacht wird.

Es gibt inzwischen auch Schnelltests für zu Hause über das Internet zu bestellen – einen Tierarztbesuch mit Beurteilung des Gesundheitszustandes Deines Doggo wird dieser aber nicht ersetzen können, ebensowenig ein direktes Gespräch mit Deinem Tierarzt.

Die Möglichkeit der fehlerhaften Anwendung durch den Laien ist höher und nicht unbedingt zu empfehlen.

Leider unterscheidet kein Giardien-Test die beschriebenen verschiedenen Subtypen, weshalb man grundsätzlich von einer Zoonose-Gefahr bzw. einer Gefahr für andere Haustierarten ausgehen muss.


5. Therapie der Giardiose

Ein Hund, bei dem Giardien nachgewiesen wurden, sollte in jedem Fall therapiert werden.

Selbst bei symptomfreien Hunden sollte eine Behandlung erfolgen, da sie als Ausscheider fungieren und somit ein hohes Infektionsrisiko für andere Hunde und Menschen darstellen.

In der Behandlung und Therapie der Giardien gibt 3 Säulen, auf die man sich stützen muss. Zusätzliche Darmsanierungen oder Aufbaupräparate für den Darm sind sicherlich von Vorteil.

Diese 3 Säulen sind die medikamentöse Therapie, eine Ernährungsumstellung bzw. Ernährungsanpassung und die hygienischen Umgebungsmaßnahmen.

Medikamentöse Therapie

Die in Deutschland zugelassenen Präparate sind einmal der Wirkstoff Fenbendazol (Markenname „Panacur“) und das Antibiotikum Metronidazol.

Fenbendazol ist ein Breitband-Anthelminthikum, das bedeutet übersetzt, ein Entwurmungsmittel gegen viele verschieden Würmer und Endoparasiten (Parasiten, die im Inneren des Körpers leben).

Es wirkt unter anderem auch gegen Spul,- Haken und Peitschenwürmer sowie teilweise gegen Bandwürmer. Es ist das einzig zugelassene Entwurmungsmittel, das auch gegen Giardien eingesetzt werden kann, wobei hier eine andere Dosierung und Therapiedauer erfolgt.

Meistens wird bei einem ersten Befall lediglich dieses Präparat nach einem bestimmten Schema gegeben.

Inzwischen empfehlen viele Praxen und Kliniken die Gabe von 5 Tagen, danach 5-7 Tage Pause und danach eine erneute Gabe über 5 Tage.

Die genaue Dosierung muss aber mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden und kann vom genannten Schema abweichen!

Für Welpen gibt es das Mittel auch in Pastenform, ansonsten wird es als Tablette verabreicht.

Eine anschliessende Kotuntersuchung sollte ca. 1 Woche nach Abschluss der Therapie unbedingt erfolgen, da die Behandlung mit Fenbendazol nicht immer ausreichend ist.

Der Grund ist die genannte hohe Widerstandsfähigkeit und die Gabe, sich in Gallengänge zurückziehen zu können. Daher ist eine Reinfektion immer möglich und viele Hunde kämpfen lange Zeit mit der Eliminierung der kleinen Biester.

→ Die gängigen Mittel, die viele Hunde zur routinemäßigen Entwurmung bekommen, helfen nicht gegen Giardien.

Metronidazol wird häufig dann eingesetzt, wenn der Doggo nach der Gabe von Fenbendazol weiterhin Giardien ausscheidet oder sich in einem schlechten Allgemeinzustand befindet.

Bei hochgradigen blutigen Durchfällen ist die Gabe von Metronidazol auch häufig angezeigt, wenn diese nicht nach 1-2 Tage deutlich besser werden.

Die Dauer der medikamentösen Therapie sollte unbedingt nach Anweisung des Tierarztes erfolgen, auch wenn die Symptome schon früher verschwinden.

Bei frühzeitigem Abbruch werden häufig Resistenzen gefördert und die weitere Behandlung wird umso schwieriger. Ebenso ist die Gefahr einer erneuten Infektion (Reinfektion) sehr hoch.

Die vollständige Eliminierung der Giardien durch Medikamentengabe ist leider oftmals nicht möglich, weshalb sich diese Erkrankung für manch einen Tierbesitzer, vielleicht auch Dich, als große Herausforderung und nervliche Belastung darstellt.

Unbehandelt können die Giardien (wie beschrieben vor allem bei Welpen und kranken Tieren) schwere Schäden im Darmtrakt verursachen, die eine unzureichende Nährstoffaufnahme, Wachstumsverzögerungen und Schwächung des Immunsystems zur Folge haben können.

Ebenso können Mangelerscheinungen sowie eine erhöhte Anfälligkeit für weitere Magen-Darm-Erkrankungen oder andere Organerkrankungen die Folge sein, da der Körper und sein Immunsystem stark belastet werden.

II. Ernährungsanpassung

Neben der Gabe von Medikamenten ist die Umstellung der Ernährung, vor allem bei chronisch infizierten Hunden enorm wichtig.

Warum?

Dazu erkläre ich zunächst einmal etwas zum Stoffwechsel der Giardien (für alle, die es etwas genauer wissen möchten):

Die Giardien haben einen anaeroben Stoffwechsel. Das bedeutet, sie leben und „arbeiten“ optimal in sauerstoffarmer Umgebung.

Sie gewinnen Energie durch Vergärung ohne Sauerstoff. Diese Form der Energiegewinnung liefert insgesamt viel weniger Energie, als der aerobe Weg (Energiegewinnung mit Hilfe von Sauerstoff).

Das bedeutet in Folge, dass die Giardien große Mengen an Zucker bzw. Kohlenhydraten brauchen, um sich zu erhalten und zu vermehren.

Die Giardien ernähren sich im Dünndarm von dem ankommenden Futterbrei und der darin enthalten Stärke bzw. Zucker.

→ Dies erklärt nun, warum es absolut wichtig ist, einen Hund mit Giardienbefall möglichst Zucker,- und Kohlenhydrat (Stärke-)arm zu ernähren!

Ebenso enthalten beispielsweise Milchprodukte auch Milchzucker (Lactose) und sollten auch möglichst aus dem Speiseplan eleminiert werden.

Man entzieht somit den Biestern sozusagen die Lebensgrundlage und die Vermehrung und Ausscheidung wird deutlich reduziert.

Viele gängige Futtermittel enthalten einen hohen Stärkeanteil (günstiger als Fleisch und ein guter Füllstoff), was eine Infektion damit begünstigen kann.

Besprich also unbedingt eine eventuell nötige Ernährungsanpassung mit Deinem Tierarzt oder einem Ernährungsberater.

Natürlich bedeutet das im Umkehrschluss nicht, dass ein Hund, der nur getreidefreies Futter bekommt nicht an Giardien erkranken kann…

III. Hygienemaßnahmen (dienen auch der Vorbeugung)

Nun kommen wir zum letzten wichtigen Punkt, der vor allem helfen soll, dass sich Dein Vierbeiner oder weitere Haushaltsmitglieder (andere Hunde, Katzen, Heimtiere, Erwachsene und Kinder) nicht (wieder) anstecken.

Wie beschreiben, werden enorme Mengen an Giardienzysten produziert, ausgeschieden und können eigentlich überall hängenbleiben und schnell zu einer erneuten Infektion führen (was in der Realität tatsächlich häufig der Fall ist).

Strenge Hygiene ist daher sehr wichtig.

Draußen

Auch aus Rücksichtnahme gegenüber anderen Vierbeinern sollten die Hinterlassenschaften Deines Hundes entsorgt werden, sowohl im eigenen Garten als auch beim Spaziergang.

Drinnen

  • wenn auch Katzen im Haushalt sind, Katzentoiletten täglich reinigen
  • Hundewiesen aus Rücksicht auf andere Vierbeiner meiden, ebenso den Kontakt zu anderen Hunden kurzfristig einschränken
  • Wasser,- und Fressnäpfe täglich mit heißem, möglichst kochendem Wasser ausspülen
  • bei Zwingerhaltung o.ä. Ausläufe täglich reinigen, optimal dafür ist ein Dampfreiniger, der heisser als 65°C reinigt
  • alle Liege,- und Schlafplätze inklusive Decken täglich so sauber wie möglich reinigen und desinfizieren

→ was waschbar ist, bei 70° in der Waschmaschine waschen (60° reicht oft nicht aus, da diese Temperatur nur für kurze Zeit in der Waschmaschine erreicht wird)

  • wenn eine heisse Behandlung nicht möglich ist, können Dinge alternativ auch über mehrere Tage eingefroren werden (oder über Monate an einem nicht zugänglichen Ort gelagert werden)
  • Deinen Vierbeiner von Sandkästen und Spielplätzen fern halten
  • auch die Spielzeuge reinigen
  • Hunde mit langem Fell am Hintern evtl. kurz scheren bzw. Haare kürzen, den Analbereich möglichst sauber halten
  • häufiges Händewaschen zwischen und nach der Reinigung
  • alle menschlichen Haushaltsmitglieder soweit möglich über die Wichtigkeit der Hygiene instruieren, Hunde sollten nicht mit im Bett schlafen
  • im Handel gibt es geeignete Desinfektionsmittel, darüber kann Dein Tierarzt dich beraten
  • nach der Reinigung alles gut (ab)trocknen, da Giardien eine feuchte Umgebung bevorzugen
  • vor allem Kinder nicht vom Hund ablecken lassen
  • ggf. Hunde mit chlorhexidin-haltigen Shampoos baden / Baden der Afterregion

Die beschriebenen Hygienemaßnahmen sind vor allem bei chronischen oder wiederkehrenden Infektionen unerlässlich um die Symptome zu bekämpfen, wenn sie auch mit viel Arbeit verbunden sind.

Abschliessend möchte ich noch sagen, dass ohne all diese Maßnahmen die verschiedensten Wildtiere wie auch Wölfe wahrscheinlich meist ohne Probleme mit den Giardien leben oder gelebt haben.

Da sich jedoch in der heutigen Zivilisation sehr viel an unserer Lebensweise geändert hat, weder Haustiere noch die meisten Menschen über ein wirklich kompetentes Immunsystem verfügen, müssen in den meisten Fällen auch härtere Hygienemaßnahmen getroffen werden.

Unsere Haustiere sind nunmal keine in der freien Natur lebenden Tiere mehr. Und auch dort gibt es natürlich regelmäßig Fälle von geschwächten Tieren, die bedingt durch Parasitenbefall versterben.

Ein infizierter Wolf beispielsweise scheidet zwar Zysten aus, jedoch lebt 1 Wolf im Vergleich zu 1 Hund auf einer enorm größeren Fläche und dadurch ist das Ansteckungsrisiko für andere Tiere geringer.


6. Was kann ich noch vorbeugend gegen eine Infektion mit Giardien tun?

  • bei akutem oder hartnäckigem Befall die oben beschriebenen Hygienemaßnahmen streng einhalten
  • nicht aus stehenden Gewässern wie z.B. Pfützen trinken lassen! (häufige Infektionsquelle für Magen-Darm-Erkrankungen)
  • Stress reduzieren und Stressfaktoren beseitigen, denn Stress schwächt das Immunsystem und macht anfälliger für Erkrankungen (beispielsweise bei Angsthunden einen Hundetrainer zur Hilfe ziehen)
  • bei Koprophagie (Kot fressen) beim Spaziergang ein besonderes Auge auf Deinen Vierbeiner haben, ggf. Hundetrainer zur Hilfe ziehen oder andere Grunderkrankugnen beim Tierarzt ausschliessen lassen.

Bei manchen Vierbeinern soll die Gabe von „Stinkekäse“ oder anderen stark riechenden Nahrungsmitteln dagegen helfen, dass der Hund Kot frisst (beispielsweise frischer, grüner Pansen, der nebenbei auch sehr gesund ist und viele gute Bakterien enthält)

Die Darmgesundheit Deines Doggos stärken

→ wie geht das?

Ist der Darm Deines Hundes gesund, so schützt ihn das vor einer schnellen Neuifektion, auch mit weiteren Parasiten. Ebenfalls kommt er dann mit einer gewissen Menge an Parasitenbefall deutlich besser zurecht. 

Die Gabe von Prä,- oder Probiotika ist grundsätzlich bei jeder Durchfallerkrankung oder nach der Gabe von Antibiotika anzuraten.

Präbiotika sind Nährstoffe für die wichtigen und guten Darmbakterien, Probiotika sind die direkte Gabe von gesunden Darmbakterien.

Probieren doch Lucky Belly aus! Diese Snacks enthalten alles, was ein glücklicher Doggo-Bauch braucht. Mit Probiotika und den Superkräften der Natur unterstützen sie eine gesunde Verdauung und können fiesem Bauch grummeln vorbeugen. Und weil sie so unwiderstehlich lecker sind, wird dein Doggo sie lieben.

Alles was den Darm stärkt, stärkt gleichzeitig auch das gesamte Immunsystem des Körpers.

Gerade bei erneuten Gaben von Medikamenten ist die Erhaltung der Darmgesundheit besonders wichtig und sollte nicht vernachlässigt werden.


7. Muss ich bei Verdacht auf Giardien zum Tierarzt?

Ja!

Zumindest sollte eine Kotuntersuchung erfolgen, häufig ist es aber besser, wenn der Hund auch beim Tierarzt vorgestellt und untersucht wird.

Welpen mit Durchfall, der länger als 1 Tag andauert, sollten grundsätzlich dem Tierarzt vorgestellt werden – sie sind anfälliger für schwere Verläufe bei Darmerkrankungen und müssen frühzeitig in tierärztliche Behandlung.

Grundsätzlich sollte ein Hund bei Giardienverdacht zum Tierarzt, wenn:

  • er wiederkehrend Durchfälle hat
  • die erste Behandlung nicht angeschlagen hat
  • der Durchfall bei einem adulten (erwachsenen) Hund länger als 2 Tage andauert
  • Dein Hund sehr schlapp ist
  • zu dem Durchfall Erbrechen oder Blutbeimengungen hinzukommen
  • Du unsicher bist, ob Dein Hund tierärztliche Hilfe braucht- lieber einmal zu viel als zu wenig gehen

Hatte Dein Doggo Kontakt zu einem nachweislich erkrankten Hund und Du machst Dir verständlicherweise Sorgen, dass auch Dein Hund erkrankt ist, so kannst Du zunächst wie unten beschrieben Kot sammeln und ihn beim Tierarzt abgeben.

→ Aber Achtung! Sollte Dein Hund sich infiziert haben, so kann es sein, dass er noch keine Zysten ausscheidet und das Ergebnis falsch negativ ist. Daher mit der Abgabe der Kotprobe ruhig mindestens 1 Woche warten, um ein zuverlässigeres Ergebnis zu bekommen

Der Gang zum Tierarzt ist zuletzt deswegen oft anzuraten, da Du dort eine ausführliche Beratung bekommen wirst und er jeden Patienten individuell beurteilen muss.


8. Wie ist die Prognose bei Giardien einzuschätzen?

In akuten Fällen kann eine einmalige Behandlung mit Umstellung des Futters ausreichend sein.

In einigen, leider nicht wenigen Fällen, verläuft die Erkrankung chronisch über Monate hinweg und Bedarf dem Einsatz disziplinierter Hygiene und den weiteren genannten möglichen Maßnahmen.


9. Fazit und abschliessende Worte

Häufig sind Giardien schwierig wieder loszuwerden und Du als Besitzer kannst das Gefühl bekommen, einen schwer kranken Hund zu haben und fragst Dich vielleicht sogar, wie lange Du dies noch mitmachst.

Die konsequente Einhaltung der oben beschriebenen Maßnahmen sowie viel Geduld werden sich jedoch irgendwann auszahlen!

Vielleicht bringt es Dir etwas Trost, das besonders dieses Thema schon einige Hundebesitzer an den Rand der Verzweiflung gebracht hat – Du bist also nicht allein mit diesem Thema!

Hast Du Deinen Vierbeiner gerade aus einem Tierheim oder von einem Züchter bekommen und daraufhin wird eine Giardieninfektion festgestellt, so beachte bitte, dass Du nicht gleich den Herkunftsort Deines Vierbeiners verunglimpfst, sondern zunächst Rücksprache hältst und die Info weitergibst.

Giardien stellen überall dort, wo viele Hunde auf engem Raum sind, ein häufiges Problem dar und sind nicht immer (sondern manchmal) Schuld an einer falschen Haltungsform.

Die angegebenen Therapiemöglichkeiten müssen stets individuell und zusammen mit Deinem Tierarzt entschieden werden.

Eventuelle weitere Erkrankungen werden in die Therapie mit einbezogen und verändern dadurch manchmal die gängigen Therapieschemata.

Vertraue Deinem Tierarzt und versuche möglichst, keine Frage ungeklärt zu lassen.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen

Team mammaly
mehr über den Autor