Die Hüftgelenksdysplasie des Hundes

Die Hüftgelenksdysplasie, auch Hüftdysplasie oder kurz HD genannt, ist eine häufige Gelenkserkrankung beim Hund.

Sie entsteht durch eine Entwicklungsstörung des Hüftgelenkes, an deren Verlauf und Ausprägung sind weitere Faktoren beteiligt.

Die Grundlage für eine Hüftdysplasie beruht auf einer angeborenen, ererbten Erkrankung.

Häufig sind mittelgroße bis große Hunde betroffen, jedoch bleiben auch kleine Vierbeiner nicht immer verschont.

Dieser Artikel gibt Dir einen Überblick über die Krankheitsentstehung sowie vorhandene Therapiemethoden.


INHALTSVERZEICHNIS 

  1. Aufbau des gesunden Hüftgelenkes
  2. Definition Hüftgelenksdysplasie
  3. Folgen der Dysplasie
  4. genetische Ursache sowie betroffene Rassen
  5. weitere Ursachen
    1. Welpenalter
    2. Wachstum und Ernährung
    3. Bewegung
    4. Kastration
    5. Adulte Hunde
  6. Symptome und Anzeichen einer HD
  7. Diagnose und Einteilung der Schweregrade A-E
  8. Behandlung/Therapie
    1. Behandlung durch den Tierarzt
    2. Medikamente
    3. Ernährung
    4. Physiotherapie
    5. Operation
    6. Alternative Methoden
    7. was kannst Du sonst noch tun?
  9. Vorbeugung möglich?
  10. Wann zum Tierarzt
  11. Zusammenfassung

1. Woraus besteht das Hüftgelenk und wie ist es aufgebaut?

Jeder Hund besitzt zwei Hüftgelenke, ein rechtes und ein linkes.

Die knöchernen Anteile setzen sich zusammen aus dem Oberschenkelkopf (oberes Ende des Oberschenkels) und der Gelenkpfanne (Fachbegriff: Acetabulum) des Beckenknochens. Dabei sitzt der Oberschenkelkopf wie eine Kugel in dieser Pfanne.

Wie bei fast allen anderen Gelenken, sind auch hier die gelenkbildenden Knochenenden von hochwertigem hyalinen Knorpel überzogen. Dieser fungiert als Stoßdämpfer, schützt die Knochen und ermöglicht durch seine glatte Oberfläche eine reibungslose Bewegung des Gelenks.

Das Hüftgelenk ist von einer Gelenkkapsel umgeben, diese hat eine gelenkstabilisierende Wirkung.

Ebenso enthält sie die Gelenksflüssigkeit (Synovia), die die Oberfläche des Gelenkknorpels bedeckt.

Zu ihren wichtigsten Funktionen zählt: Schmierung des Gelenkes, zusätzlicher Stoßdämpfer und Ernährung der Knorpelschicht.

Unter anderem enthält die Synovia Glykosaminoglykane und einen hohen Anteil an Hyaluronsäure, welche wasserbindende Eigenschaften hat und somit zu einer Aufrechterhaltung der Synovialflüssigkeit und zum Schutz des Knorpels beiträgt.

Daher wird Hyaluronsäure auch gerne in gelenksunterstützenden Nahrungsergänzungsmitteln verwendet.

Das Gelenk wird zusätzlich durch umgebene Bänder, Muskeln und Sehnen gestützt und ermöglicht durch seinen Aufbau eine weitreichende Bewegung. Das Hüftgelenk ist zusammen mit dem Schultergelenk vor allem für Vorwärts,- und Rückwärtsbewegungen zuständig.


2. Was genau bezeichnet die Hüftdysplasie?

Passen die genannten Anteile Oberschenkelkopf und Gelenkpfanne nicht genau ineinander, so spricht man von einer Dysplasie. Meistens betrifft dies beide Hüftgelenke, kann aber in unterschiedlich starker Ausprägung sowie in wenigen Fällen auch nur einseitig vorkommen.

Meistens handelt es sich dabei um eine zu flache Ausbildung der Gelenkspfanne des Beckens.

So umgreift die Pfanne den Kopf nicht mehr ausreichend. Teilweise bildet sich auch der Gelenkkopf des Oberschenkels nur unzureichend aus.

Dabei werden verschiedenen Schweregrade beschrieben, die in den nächsten Kapiteln weiter erläutert werden.

Das Wort Dysplasie bezeichnet eine „Fehlbildung oder Fehlentwicklung“, in diesem Falle des Hüftgelenks.

Häufig kommen zu dieser Inkongruenz noch weitere belastende Faktoren wie Veränderungen an der Gelenkkapsel hinzu.

Nach bisherigen Forschungsergebnissen tritt die HD bei Rüden und Hündinnen gleich häufig auf und wird somit nicht durch das Geschlecht beeinflusst.


3. Welche Folgen hat es, wenn das Gelenk nicht genau ineinander passt?

Die Annahme, dass ein gesundes Gelenk mit der Zeit abgenutzt wird, ist so nicht richtig.

Ein anatomisch perfekt ineinanderpassendes Hüftgelenk kann theoretisch ein Leben lang gesund bleiben und optimal funktionieren (wenn alle anderen weiter unten genannten Faktoren wie beispielsweise das Körpergewicht stimmig sind).

Dadurch, dass bei der Hüftdysplasie nun die Gelenkpfanne den Oberschenkelkopf nicht mehr richtig greifen kann, kommt es zu einer Instabilität (bis hin zur Luxation = Ausrenkung) und Fehlbelastung des Gelenks und somit zu einer chronischen (Nerven)Reizung der Knochenhaut und fortschreitender Abnutzung des Gelenksknorpels – mit der Zeit entwickelt sich eine meist schmerzhafte Arthrose.

Der Körper versucht nun, durch Entlastung (vor allem, um dem Schmerz zu entgehen), sowie knöcherne Zubildungen, das Gelenk zu stabilisieren, was teilweise eine zeitlang scheinbar gelingt – das Fortschreiten der Krankheit wird damit jedoch nicht aufgehalten und es entstehen weitere schmerzhafte Prozesse, die zu einer Arthrose führen können.

Ebenso werden die umgebenen Strukturen wie die Gelenkkapsel, Bänder, Sehnen und Muskulatur fehlbelastet, was sich wiederrum auf die gesamte Körperhaltung auswirken kann.


4. Welche Hunde(rassen) sind besonders betroffen?

Grundsätzlich können alle Hunde (auch Mischlingshunde) an HD erkranken, allerdings sind wesentlich häufiger mittelgroße bis große Rassen betroffen.

Die Hüftgelenksdysplasie ist eine genetische (erbliche) Erkrankung, die an die weiteren Generationen weitergegeben werden kann.

In sehr seltenen Fällen entsteht eine Inkongruenz der gelenkbildenden Anteile auch durch Fehlstellungen der Gliedmaßen, beispielsweise durch Trauma wie Oberschenkelbrüche oder andere Erkrankungen des Bewegungsapparates. Dies bezeichnet aber die Erkrankung HD im engeren Sinne nicht.

Einige Rassen, sehr bekannt ist dafür der deutsche Schäferhund, sind besonders von dieser Erkrankung betroffen.

Vor allem durch die gewollt immer steiler abfallende Kruppe als Zuchtziel hat sich Hüftdysplasie als Erkrankung gerade bei dieser Rasse manifestiert und wurde erstmals als Krankheit erkannt.

Jedoch handelt es sich nicht wie oftmals gedacht, um eine reine Schäferhund-Erkrankung.

Auch andere Rassen wie beispielsweise der Berner Sennenhund, Neufundländer, English und Gordon Setter, Labrador sowie Golden Retriever tragen die Erkrankung genetisch häufig mit sich.

Andere Rassen wie beispielsweise Huskys sind dafür bekannt, dass sie besonders gesunde Hüftgelenke und äußerst selten HD haben. Dies wird teilweise versucht damit zu erklären, dass diese zur Langstreckenläufern selektiert sind und dies nur mit absolut gesunden Gelenken möglich ist.

Wusstest Du schon? Die HD ist keine spezielle Erkrankung des Hundes, auch Menschen und beispielsweise Katzen können an einer Hüftdysplasie erkranken.

Warum diese Rasseunterschiede?

Die Geschichte der HD reicht weit zurück und viele Rassen wurden schon früher nicht mehr zur Zucht verwendet, wenn sie schlechte Laufleistungen und schnelle Lahmheiten zeigten. Bei diesen Rassen wurde somit die Weitervererbung einer Hüftgelenksdysplasie möglicherweise schon stark vermieden.

Bei anderen Rassen wiederum wurden lange Zeit auch mit stark erkrankten Tieren weitergezüchtet, was teilweise leider auch heute noch der Fall ist.

Der Grund dafür: Bei vielen Hunderassen wird vor allem auf das sogenannte „Exterieur“, also Aussehen, geachtet. Die extreme Ausbildung mancher Rassemerkmale wird leider so von vielen Zuchtverbänden gefordert, gesundheitliche Folgen werden ausgeblendet.

Ein anderes Beispiel ist die heutige Zucht vieler brachycephalen (kurzköpfigen) Rassen, die besonders „kindesköpfig niedlich“ aussehen sollen – mit der traurigen Konsequenz häufiger schwerer Atemprobleme bis hin zur Erstickung sowie Neigung zu Bandscheibenvorfällen, Allergien etc..

Weitere Fehlentwicklungen anderer Gelenkstrukturen können hinzukommen und die Symptomatik verstärken.


5. Weitere Einflussfaktoren auf die Hüftdysplasie

Fest steht, dass die Grundlage der HD in den Erbanlagen zu sehen ist. Allerdings gibt es weitere Faktoren, die den Verlauf und die Ausprägung einer Hüftdysplasie positiv oder negativ beeinflussen können – diese werde ich Euch im folgenden Auflisten:

I. Welpenalter

Eindeutig bewiesen ist, dass ein zu schnelles Wachstum des Welpen, vor allem bei großen Rassen, die Basis für spätere Gelenksprobleme bereiten kann .

Also ganz wichtig: Ein Welpe sollte mit einem hochqualitativen Futter aufwachsen, dabei aber eher langsam und wirklich gemäßigt! Das bedeutet schlussendlich, dass er tatsächlich eher restriktiv (zurückhaltend) gefüttert werden sollte.

II. Wachstum und Ernährung

Bei schnellwüchsigen, großen Rassen kann die Ausprägung der Hüftdysplasie durch übermäßige Eiweiß,- und Calciumversorgung sowie ein Zuviel an Vitamin C und D verschlimmert werden!

→ Deshalb ist von einer unbedachten Zufütterung dieser Elemente absolut abzuraten!

Fütterst Du ein konventionelles Fertigfutter, so fange mit der niedrigst dosierten Futtermenge an (je nach Gewichstangabe gibt es ja immer einen gewissen Spielraum, wieviel gefüttert werden sollte). In Absprache und Gewichtskontrolle durch Deinen Tierarzt wird es dann entweder dabei bleiben oder Du kannst die Futtermenge noch etwas steigern.

III. Bewegung

Junge Hunde sollten in ihrer Aktivität nicht überbelastet werden. Beispielsweise wird empfohlen, möglichst auf Treppenstiegen zu verzichten und frühestens ab dem Alter von einem Jahr mit dem Rennen neben dem Fahrrad zu beginnen.

Natürlich bedeutet dies nicht, dass ein Junghund grundsätzlich vom Spielen mit den Artgenossen abgehalten werden sollte – dies ist enorm wichtig für sein späteres Sozialverhalten sowie Wohlbefinden.

Gleichzeitig ist regelmäßige Bewegung für die Gelenksernährung absolut unabdingbar, ebenso trägt diese zum Aufbau einer starken Muskulatur und dadurch zu stabileren Hüftgelenken bei.

IV. Kastration

Interessant sind auch neueste Studienergebnisse bezüglich der Frühkastration des Hundes.

Das Resultat ist, dass bei einigen größeren Hunderassen eine zu frühe Kastration Einfluss auf die Inzidenz (Häufigkeit) von späteren Gelenkserkrankungen wie Hüftgelenksdysplasie haben kann.

In Zukunft wird dies bei der Entscheidung zur Kastration womöglich von vielen Tierärzten mit einbezogen und noch tiefergehend erforscht.

V. Adulte Hunde

Die Ernährung des Hundes kann in jedem Alter einen Einfluss auf Gelenkserkrankungen haben.

Einerseits trägt Übergewicht deutlich zur Entstehung und schnellerem Fortschreiten einer Arthrose bei, andererseits kann mittels geeigneter Ergänzungsfuttermittel bei vorbelasteten Rassen oder spätestens ab dem Seniorenalter eine gesunde Knorpelfunktion unterstützt werden.

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6. Symptome und Anzeichen einer HD

Die ersten Anzeichen zeigen sich häufig schon im Welpenalter. Die betroffenen Welpen fallen häufig durch Spielunlust, schnelles Hinsetzen und Laufunlust auf. Manche Welpen zeigen allerdings trotz HD keine Symptome.

Handelt es sich um einen erwachsenen Hund, variieren die Anzeichen der Erkrankung stark. Hier stehen die Schmerzen durch die entstandene Arthrose meist besonders im Vordergrund.

Gangbildveränderungen können mit der Zeit schmerzbedingt und durch Verlagerung des Körpergewichts auftreten.

Zur Liste von Symptomen einer Hüftgelenksdysplasie können also gehören:

  • Laufunlust
  • häufiges Hinsetzen
  • Vorsichtiges/mühsames Aufstehen und/oder Hinsetzen
  • „Knacken“ der Gelenke bei Bewegung
  • Lahmheit (leicht bis stark)
  • lockerer Gang (ausgeprägter „Hüftschwung“/wackelnder Gang)
  • progressive (fortschreitende) Schmerzen im Hüftbereich
  • Aggression und Characterveränderungen (schmerzbedingt – gehört unbedingt behandelt!)
  • Aufjaulen bei Bewegungen
  • steifer Gang in der Hinterhand (im fortgeschritten Stadium)
  • Muskelschwund der Hinterhandmuskulatur
  • verkürzte Schrittlänge
  • Überkreuzen der Hinterbeine beim Laufen, vor allem im Trab sichtbar
  • beim Rennen „hoppeln der Hinterbeine wie ein Hase“
  • ggf. Verstärkung der Symptome bei feucht-kaltem Wetter (bei vorhandener Arthrose)

Aber: Nicht jeder Hund, der an Hüftdysplasie erkrankt ist, zeigt Symptome!

Ebenso können alle genannten Symptome auch bei anderen (Gelenks)erkrankungen auftreten und sind daher nur ein Teil der Diagnose und Behandlungsentscheidung.

Achtung: Häufig neigen Hunde dazu, ihren Schmerz während positiver Aktivitäten wie Spielen zu vergessen oder zu unterdrücken und zeigen dann auf dem Heimweg oder zu Hause eine umso deutlichere Lahmheit und Schmerzen.

Die Hüftdysplasie entwickelt sich in der Zeit des Wachstums. Ist der Hund ausgewachsen, verändert sich meist nur noch das Ausmaß der Symptome und der Arthrose.

Wie auch wir Menschen sind unsere geliebten Vierbeiner unterschiedlich schmerzempfindlich, dies trifft auch bei dieser Erkrankung zu.


7. Diagnose sowie Einteilung der Schweregrade der Hüftgelenksdysplasie

Die Diagnose kann nur durch einen Tierarzt erfolgen.

Bereits ab einem Alter von 4 Monaten ist dies je nach Untersuchung möglich.

Der Tierarzt wird Deinen Hund zunächst allgemein untersuchen sowie das Gangbild Deines Doggos beurteilen.

Als nächstes wird er eine orthopädische Untersuchung durchführen.

Entweder bezieht diese sich nur auf die Hüftregion oder es kommen bei weiteren Auffälligkeiten andere Gelenke hinzu.

Beurteilt werden unter anderem die Beweglichkeit der Hüfte sowie Schmerzäußerungen beim Betasten, Strecken und Beugen. Teilweise ist auch Knacken und Knirschen (Krepitation) hörbar.

Wie geht es dann weiter?

Weitere Möglichkeiten einer (früheren) Diagnose sind der Ortolani-Test. Hier versucht der Tierarzt, manuell den Oberschenkelkopf aus der Pfanne zu drücken, also künstlich zu luxieren (ausrenken). Bei einem gesunden, festen Gelenk ist dies nicht möglich.

Diese Untersuchung ist nur im frühen Welpenalter möglich!

Allerdings muss dieser Test in Narkose durchgeführt werden, da er nur am völlig muskelentspannten Tier möglich und teilweise auch schmerzhaft ist.

→ dieser Test gehört bislang nicht zur Standarduntersuchung.. Bitte niemals diesen Test in Eigenregie zuhause durchführen!

Großer Vorteil dieser manuellen Frühuntersuchung: Wird die Diagnose HD gestellt, gibt es Operationsmethoden, die bereits im Welpenalter erfolgreich durchgeführt werden und so die Lebensqualität Deines Vierbeiners von Anfang an steigern können!

→ Informiere Dich hierzu am Besten bei einem Tierarzt, der sich auf diesem Gebiet besonders auskennt!

Eine Ultraschalluntersuchung der Hüften, wie es beispielsweise bei Kindern geschieht, ist bislang leider noch nicht ausgereift und hat in der Praxis daher noch keinen großen Stellwert.

Beim älteren Hund stützt sich die Hauptdiagnose meist allerdings auf die Erstellung eines Röntgenbildes – dieses ist nach wie vor das meistbenutzte Verfahren zur Feststellung einer HD.

Am besten lässt sich dieses anhand der Zuchtbeurteilung erklären:

Bei der Einteilung des Ausmaßes einer Hüftgelenksdysplasie wird für eine offizielle Zuchtzulassung die Zuchtbeurteilung nur durch speziell berufene Fachleute durchgeführt.

Die Beurteilung erfolgt anhand von genau definierten Röntgenaufnahmen – eine zuverlässige Aufnahme kann nur in Sedation (leichter Narkose) durchgeführt werden, da die Hüftgelenke bei der Aufnahme überstreckt werden müssen und ein waches Tier in jedem Falle durch Muskelspannung gegenarbeiten würde, da dies sehr unangenehm ist.

Der Hund muss dabei ein Mindestalter von einem Jahr aufweisen, bei sehr großen Hunden sogar 18-24 Monate (dies ist durch den jeweiligen Zuchtverband vorgegeben).

Der Tierarzt, der die Röntgenaufnahmen für eine offizielle Zuchtzulassung anfertigt und einsendet, darf die Bilder nicht beurteilen – dies liegt in der Hand der HD-Gutachter!

Keine Zuchtbeurteilung

Handelt es sich um private Aufnahmen, werden die Röntgenbilder auch wie oben beschrieben angefertigt. Allerdings darf in diesem Fall der Tierarzt das Röntgenbild beurteilen („befunden“).

Für die Beurteilung des Hüftgelenks existiert folgende grundsätzliche Einteilung des FCI (Fédération Cynologique Internationale, der weltweit größte kynologische Dachverband):

HD-Grad

A : HD-frei (gesundes Hüftgelenk bzw. kein Hinweis auf eine Hüftdysplasie)

B: Übergangsform – fast gesundes Hüftgelenk, leichte Lockerungen im Gelenk, keine Arthrose etc.

C: leichtgradige HD, ggf. schon leichte Arthrosen vorhanden (je nach Alter)

D: mittelgradige HD

E: hochgradige HD

Hinzu kommen für manche Hunderassen noch spezielle Zwischenformen, die der Zuchtverband vorgibt.

Je nach Zuchtverband bzw. Rasse darf mit unterschiedlichen Graden weitergezüchtet werden. Experten empfehlen allerdings, das für die züchterische Beseitigung einer Hüftdysplasie nur mit Hunden mit HD Grad A oder in Ausnahmen maximal B gezüchtet werden sollte.

Und nun?

Nun hat der Tierarzt sozusagen alle Puzzlestücke zusammen und kann sich ein Gesamtbild des Hundes machen und die für ihn geeignete Therapieform mit dem Besitzer besprechen.

Eine regelmäßige Folgeuntersuchung durch den behandelnden Tierarzt ist ratsam, um eventuell die Therapie anzupassen.


8. Mein Hund hat HD – welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Grundsätzlich ist eine Hüftdysplasie angeboren und nicht heilbar. Jedoch ist inzwischen bewiesen, welch enormen Einfluss auch die Haltung, Belastungsart und Ernährung in der Ausprägung und dem Fortschreiten der Erkrankung haben!

Je früher die Erkrankung erkannt und der Umgang entsprechend angepasst wird, desto höher sind die Chancen, Deinem Vierbeiner möglichst lange eine gute Lebensqualität zu bieten.

Das Ziel der tierärztlichen Behandlung ist durch Schmerzlinderung und Beratung des Besitzers ein Fortschreiten der Beschwerden zu verzögern und dem Hund eine möglichst hohe Lebensqualität zu ermöglichen.

I. Welche Therapiemöglichkeiten durch den Tierarzt gibt es?

Der Tierarzt muss in seinen Therapievorschlag neben den eigentlichen Untersuchungsbefunden eine Menge von Faktoren mit einbeziehen: Alter und Charakter des Doggos, Größe und Gewicht, Symptome im Vergleich zum Grad der HD und abschließend immer auch die finanziellen und zeitlichen Verhältnisse des Besitzers.

Man unterscheidet zwischen der konservativen Therapie (keine Operation) und verschiedenen Operationsmethoden.

II. Medikamentöse Behandlung

Es gibt eine Reihe von Schmerzmitteln und Entzündungshemmern, die zum Einsatz kommen können. Dabei muss der Einsatz immer sorgfältig abgewogen werden, da diese teilweise auf Dauer auch Nebenwirkungen haben können. Es gibt auch die Möglichkeit, mehrere Schmerzmittel zu kombinieren und somit die Dosierungen und damit Nebenwirkungen der einzelnen Mittel gering zu halten (kombinierte Schmerztherapie).

Zu diesen Medikamenten gehören die sogenannten NSAID (nichtsteroidale Antiphlogistika) oder die steroidalen Antiphlogistika wie Corticoide, die jedoch grundsätzlich nicht gleichzeitig angewendet werden sollen.

Ein Medikament, das die Arthrosebildung komplett aufhält, gibt es allerdings nicht.

Hinzu kommen weitere Alternativmedizinische Präparate, die ergänzend gegeben werden können.

III. Ernährungsumstellung, und -anpassung

Neben der oben genannten restriktiven Welpenfütterung gilt bei älteren Hunden die Regel:

Jeder Hund sollte bei Übergewicht auf „Diät“ gesetzt werden, sei es durch Ernährungsumstellung und/oder weniger Futteraufnahme. Jedes Kilo, was Dein Vierbeiner zu viel hat führt zur übermäßigen Belastung aller Gelenke und fördert extrem die Entstehung von Arthrose!!

Auch sogenannte chondroprotektive (knorpelschützende) Medikamente und Ergänzungsfutter werden heutzutage erfolgreich als unterstützende Maßnahme zur Unterstützung der Gelenkknorpel angewendet.

Dazu gehört beispielsweise das Grünlippmuschelpulver, welches Glucosaminoglycane und Omega-3-Fettsäuren enthält. Diese Fettsäuren kommen zudem vor allem in hochwertigem Lachsöl sowie Lein,-oder Hanföl vor.

Auch mammaly's Happy Hips Hundeleckerlis enthalten alle wichtigen Inhaltsstoffe, um die Gelenke deines Hundes länger gesund zu halten. 

IV. Physiotherapie

Ein wichtiger Faktor im Umgang mit Gelenkserkrankungen ist die Erstellung eines physiotherapeutischen Bewegungs- und Therapieplanes.

Somit hilfts du Deinem Vierbeiner beispielsweise dabei, gezielt Muskulatur aufzubauen, Schmerzen zu reduzieren und falsche Belastungen zu vermeiden.

Auch Massage und manuelle Therapie sind ein Teil der physiotherapeutischen Behandlung.

Ebenso wird der Physiotherapeut/die Physiotherapeutin Dir weitere hilfreiche Tipps für den Alltag mitgeben können.

V. Operationsmethoden

Ob für Deinen Hund eine OP in Frage kommt oder unabdingbar ist, wird der Tierarzt Dir nach der Befunderstellung sagen können.

Eventuell wird er Euch auch an einen Spezialisten weiterverweisen, denn nicht alle Tierärzte führen Hüftgelenksoperationen durch – meistens sind dies spezialisierte Chirurgen, die fast nur Gelenksoperationen durchführen.

Es gibt verschiedene Operationsmethoden. Diese reichen von Nervendurchtrennung über Veränderung der Gelenkstellung bis hin zum künstlichen Hüftgelenk. Wie bereits oben angesprochen, gibt es auch Operationen, die erfolgreich im sehr frühen Welpenalter durchführt werden können.

Welche sich für Deinen Hund eignet, hängt unter anderem vom Alter Deines Doggos, seiner Statur, dem Schweregrad und Deinen finanziellen Möglichkeiten ab.

Teilweise wird vor der eigentlichen OP noch eine Arthroskopie (Gelenkansicht mittels kleiner Kamera) durchgeführt, um das Ausmaß der Schädigung direkt sehen und beurteilen zu können.

Bei den meisten Operationen folgt anschließend eine Rehabilitationsphase (Schonung mit zunehmender Belastung sowie Physiotherapie).

VI. Alternative Therapiemethoden

Dazu zählen die Akupunktur, Neuraltherapie sowie die Goldimplantation (Goldakupunktur).

Goldakupunktur

Die positive Wirkung dieses Verfahrens ist nach wie vor nicht eindeutig wissenschaftlich belegt – jedoch berichten viele Hundehalter von guten bis sehr guten Erfolgen der Schmerzausschaltung. Dabei werden Golddrahtstückchen an bestimmte Akupunkturpunkte der Hintergliedmaßen in das Gewebe implantiert.

Teilweise wird sie auch als Ergänzung zu anderen chirurgischen Maßnahmen durchgeführt.

Wie bei fast allen Alternativmethoden gehen auch in diesem Falle die Meinungen unter den Tierärzten auseinander. Bei Interesse solltest Du Dich an einen spezialisierten Tierarzt wenden.

Neuraltherapie

Hier wird ein örtliches Anästhetikum (Lokalanästesie) in bestimmte Punkte nahe der Hüfte in Haut und/oder Muskulatur injiziert. Ziel ist es, eine örtliche Schmerzausschaltung zu schaffen, die quasi nebenwirkungsfrei und stärker als der Einsatz von herkömmlichen Schmerzmitteln ist.

Somit wird auch versucht, den Teufelskreis Schmerz ↔ Bewegungsabnahme zu durchtrennen und die Lebensqualität zu steigern.

VII. Was kannst Du sonst noch für Deinen Doggo tun?

Dein Liebling sollte möglichst nie an kalten, feuchten Stellen oder im Durchzug liegen. Es gibt spezielle orthopädische Hundebetten, die sich super für gelenkskranke oder ältere Vierbeiner eignen.

Regelmäßige Bewegung ist wichtig!

Eine angepasste Bewegung auf möglichst weichem Untergrund trainiert die Muskulatur und sorgt für Auslastung Deines Hundes. Ebenso braucht ein Gelenk Bewegung, um ernährt zu werden – bei HD oder Arthrose die Bewegung auf ein Minimum zu reduzieren, ist also nicht im Sinne (der Lebensqualität) Deines Vierbeiners!

Wichtig ist es, stauchende Bewegungen wie Treppe hinunterlaufen, harte Untergründe und auf die Hinterbeine springen zu vermeiden.

Der Einstieg ins Auto kann beispielsweise mittels Hunderampe erfolgen, das Treppenlaufen entweder durch Tragen Deines Welpens (Achtung, auch Dein Rücken hat seine Grenzen ;)) oder durch Benutzen eines Aufzugs.

→ im Optimalfall arbeitest Du mit einem Hunde-Physiotherapeuten einen Bewegungsplan aus. Dann bekommst Du auch eine Vorstellung, welches Pensum gut für Deinen Doggo ist.


9. Kann ich einer Hüftdysplasie vorbeugen?

Durch die oben beschriebenen Maßnahmen wie Ernährungs- und Gewichtsanpassung, Bewegungsoptimierung und therapeutischen Behandlung lässt sich die Entstehung und der Verlauf einer Hüftdysplasie beeinflussen, aber nicht komplett verhindern.

Mit viel Mühe aber auch Glück kannst Du es schaffen, Deinem Hund trotz schwerer HD eine hohe Lebensqualität zu verschaffen.

Neben diesen wichtigen Einflussfaktoren lässt sich die Hüftgelenksdysplasie gezielt vorbeugen durch ggeignete Zuchtauswahl.

Grundsatz: Betroffene Hunde sollten von der Zucht ausgeschlossen sein!

Leider ist der Erbgang recht komplex, so dass beispielsweise die HD auch über die Großeltern vererbt werden kann, obwohl die Eltern scheinbar HD-frei sind. Da diese aber die Erbanlage in sich tragen, vererben sie teilweise die HD an ihre Nachkommen weiter.

Dies macht die Ausmerzung der Hüftdysplasie nicht einfacher. Aber zumindest sollten bei der Zucht die Stammbäume mindestens bis zu den Großelterntieren zurückverfolgt werden und ebenso alle Geschwister eines Wurfes in die Beurteilung mit einfließen – was jedoch leider oftmals nicht der Fall ist.

Neueste Forschungsansätze befassen sich mit der Genanalyse – insofern könnte irgendwann ein Gentest zur Zuchttauglichkeit bzw. zur Bestimmung des „genomischen Zuchtwertes“ entstehen (allerdings müssen diese für jede Rasse extra entwickelt werden, was das ganze nicht einfacher macht). Dies ist aber bislang noch Zukunftsmusik.


10. Wann sollte ich zum Tierarzt gehen?

Zeigt Dein Vierbeiner eines der genannten Symptome oder kommt Dein Welpe aus möglicherweise kritischen Zuchten bzw. von häufig betroffenen Rassen, empfiehlt sich eine möglichst frühzeitige Vorstellung beim Tierarzt.


11. Zusammenfassung

Die gute Nachricht:

Auch wenn Dein Hund vom Tierarzt die Diagnose Hüftdysplasie bekommen hat, stehst du nicht völlig machtlos da und es gibt eine Menge Optionen, wie Du Deinen Doggo unterstützen und behandeln kannst.

Der Schweregrad der Hüftdysplasie und die Ausprägung der Symptome stehen in keinem direkten Zusammenhang – deshalb ist eine umfassende Untersuchung und Beratung durch Deinen Tierarzt unabdingbar.

Eine Untersuchung des Hundes im ersten Lebensjahr ist empfehlenswert, gerade bei vorbelasteten Rassen oder bekannter Hüftgelenksdysplasie in der Familie.

Wie bei vielen anderen Erkrankungen auch werden auf Grund der Vielzahl von Faktoren sowie der Untersuchungsergebnisse immer Einzelfallentscheidungen bezüglich der Behandlungen zusammen mit dem Tierarzt getroffen.

Das Gewichstmanagement sowie eine angepasste Nährstoffversorgung spielen bereits ab dem frühen Welpenalter eine der bedeutendsten Rollen in der Beeinflussung der Ausprägung dieser und anderer Gelenkserkrankungen.

Wenn du noch mehr über die Gesundheit der Gelenke und Knochen deines Hundes erfahren möchtest, dann schau dir doch auch unsere anderen Blogs passend zum Thema an! "Arthrose beim Hund", "Die Patellaluxation des Hundes"

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