Hautpilze beim Hund

Eine Hautpilzerkrankung Deines Hundes kann zu einer sehr unangenehmen Sache, sowohl für Deinen Vierbeiner selbst, als auch Dich als Hundehalter werden.

Denn nicht immer ist eine Pilzerkrankung auf den ersten Blick zu erkennen und bedarf teilweise einer gründlichen Diagnostik durch den Tierarzt.

Hautpilzerkrankungen beim Hund können auch sehr ansteckend sein, sowohl für andere Hunde, als auch für Menschen und sollten daher nicht auf die leichte Schulter genommen werden. 

Alles, was du zum Thema Hautpilze beim Hund wissen musst, welche Symptome es gibt und wie du den Hautpilz beim Hund behandeln kannst, erfährst du in diesem Artikel.


INHALTSVERZEICHNIS 

  1. Was sind Hautpilze?
  2. Wie werden Hautpilze übertragen?
  3. Besonders empfängliche Tiere
  4. Symptome
  5. Diagnostik
  6. Behandlung
  7. Impfung gegen Hautpilze
  8. Malassezien
  9. Abschliessendes Wort

1. Was ist eine „Dermatophytose“ (Hautpilzerkrankung)?

Eine Hautpilzerkrankung beim Hund wird im Fachjargon „Dermatophytose“ genannt.

Dermatophyten sind die Gesamtheit aller krankmachenden Hautpilze, diese lassen sich insgesamt in diese 3 häufigsten Arten unterteilen:

  • Mikrosporum canis (Microsporie) – meist bei Hund (ca. 70%) und fast immer bei der Katze (und dort häufig symptomlos!- übertragen werden können sie dennoch)
  • Trichophyton gypseum (Trichophytie) – Reservoir im Boden
  • Trichophyton mentagrophytes (Trichophytie) – meist bei Nagetieren

Achtung: All diese Hautpilze (sie gehören zu den sogenannten Fadenpilzen) sind infektiös (ansteckend), gehören nicht zur normalen Hautflora und können sowohl andere Tiere als auch den Menschen befallen –  Deshalb werden sie zu den Zoonosen gezählt (zwischen Mensch und Tier übertragbare Krankheiten) und bei jeglichem Verdacht sollte auf größtmögliche Hygiene geachtet werden und bei Symptomen des Menschen ein Hautarzt zu Rate gezogen werden!

Neben den Dermatophyten gibt es dann noch die Hefepilze. Vorrangig beim Hund zu finden und Malassezien genannt.

→ Diese befinden sich in gewissem Maße auf jeder Hundehaut, sprich sie gehören zur normalen Hautflora und führen erst durch eine Schwächung des Immunsystems bzw. der Hautflora oder einer Grunderkrankung zu einem übermäßigen Wachstum und somit zur Krankheitsausbildung .

Dieser Artikel beschäftigt sich von daher mit den Dermatophyten (folgend als Hautpilze bezeichnet), über die Malassezien gibt es einen gesonderten Abschnitt am Ende.


2. Wie wird ein Hautpilz übertragen?

Die Ansteckung erfolgt über die sogenannten „Sporen“. Pilzsporen sind die Überlebensform von Pilzen und mit bloßem Auge nicht sichtbar und können leicht in der Umwelt verteilt werden.

Unter günstigen Bedingungen können sie monate- bis jahrelang in der Umwelt überleben und kontagiös (ansteckend) bleiben.

Sporen sind so winzig klein, dass sie beispielsweise auch mit dem Wind weitergetragen werden können. Ebenso über jeglichen Kontakt mit von Sporen überzogenen Materialien wie Möbeln, Hundebürsten oder Hundebetten.

Die direkte Ansteckung zwischen Tier und Tier oder Mensch und Tier ist nicht außer Acht zu lassen, denn beispielsweise Langhaarkatzen tragen oft symptomlos Sporen in ihre Umwelt und können so andere Lebewesen befallen.

Grundsätzlich bevorzugen alle Pilze ein feucht-warmes Klima, welches besonders bei stark behaarten Hunden mit dichtem Fell zu finden ist.

Sind nun die Sporen auf Deinen Vierbeiner übergegangen, bleiben sie zunächst im Fell haften.

So können sie sich dann beispielsweise in kleinste Hautverletzungen setzen und tiefer in die Haut eindringen.

Im nächsten Schritt bildet sich ein sogenanntes Wurzelwerk aus, welches bis in die Haarwurzeln dringt und von dort weiter wächst. Es werden vermehrt Sporen gebildet und auf/im Hundekörper verteilt.

→ Dabei wird die oberste Hautschicht verletzt und auch die Haarbälger (Teil der Haarwurzel) zerstört. So entsteht der typische Haarausfall bei Hautpilzerkrankungen.

→ Die ausgefallenen Haare sind häufig mit Sporen besetzt und könne so weiter in der Umgebung verteilt werden.


3. Wer ist besonders gefährdet?

Hautpilzerkrankungen sind zwar grundsätzlich für alle Individuen ansteckend, allerdings sind vor allem immungeschwächte Personen oder Tiere besonders für Pilzbefall anfällig.

Ein gesundes Immunsystem und eine gesunde Hautflora können normalerweise den Pilzbefall in einem Rahmen halten, so dass dieser nicht unbedingt zu Krankheitssymptomen (Krankheitsanzeichen) führt.

Immungeschwächte Tiere und Personen sind diejenigen, die zu den sogenannten YOPI´s zählen:

Young (Jung) Old (Alt) Pregnant (Schwanger) und Immunsupprimised (Immunsupprimiert, d.h. alle die bedingt durch Immunerkrankungen oder Medikamente ein geschwächtes Immunsystem haben).

Bezogen auf den Hund können beispielsweise starker Parasitenbefall, Trächtigkeit oder sehr schlechte Ernährung zur erhöhten Empfänglichkeit für eine Dermatophytose führen. Durch die geschwächte Barriere der Haut haben die Pilze wunderbar Zugang und eine gute Lebensgrundlage.

Jede Erkrankung, die das Immunsystem schwächt, kann eine Pilzinfektion begünstigen!

Ebenso kann die Gabe von Antibiotika auch zu einer geschwächten Hautbarriere führen (Antibiotika wirken leider nicht nur gezielt gegen krankmachende Bakterien, sondern töten oder vermindern auch teilweise die guten, für eine gesunde Darm,- und Hautbarriere äußert wichtigen Bakterien – die Hautflora ist somit nicht mehr im Gleichgewicht und die Pilze haben ein leichtes Spiel).

An Orten, wo besonders viele, oft gestresste Tiere aufeinandertreffen, ist auch ein erhöhtes Risiko gegeben (Tierheime, Ausstellungen, Zuchten etc.).

Weitere prädisponierende Faktoren sind häufiger Kontakt zu befallenen Tieren (vor allem langhaarige Tiere), Hautverletzungen, Gabe von bestimmten Immunsupprimierenden Medikamenten wie Corstison oder Zytostatika.

Natürlich zählen auch fast alle Organerkrankungen zu den Faktoren, die die Gesamtabwehr Deines Hundes beeinträchtigen und Hautpilzerkrankungen fördern können.

All die genannten Faktoren beeinflussen auch die Therapiedauer, so dass ihre Optimierung ein wichtiger Baustein der Behandlung ist.

Eine starke Immunabwehr des Vierbeiners kann zwar nicht immer eine Infektion verhindern, aber in jedem Fall dazu führen, dass der Hund diese Infektion leichter übersteht und der Befall nicht so stark ausgeprägt wird!

In vielen Fällen kann der Körper Deines Vierbeiners die Infektion sogar von allein bekämpfen.

Schlussfolgerung:

Leidet Dein Hund nachgewiesenermaßen (!) unter einer Hautpilzinfektion, sollte vor allem bei stärkerem Befall oder erneuter Erkrankung nach einer Grundursache gesucht werden (siehe oben genannte Beispiele).

Tatsächlich habe ich einmal eine Katze als Patientin gehabt, die durch den Verlust ihres Partnertiers extrem auffällig gelitten hat (= Stress) und kurze Zeit darauf eine starke Hautpilzinfektion des Körpers erlitten hat, die kaum behandelbar war.

Die klassisch beschriebenen Symptome wie kreisrunde, haarlose Stellen und Juckreiz und ständiges kratzen, sind hinweisend für eine Hautpilz-Erkrankung.


4. Symptome einer Hautpilzinfektion

ABER: Diese Symptome können ebenso bei anderen Erkrankungen wie beispielsweise Demodex-Milben oder bakteriellen Hauterkrankungen auftreten.

Ebenso treten diese typischen Symptome häufig nicht auf, weshalb zunächst oft nicht an einen Hautpilz gedacht wird.

Checkliste Symptome („alles kann – nichts muss“):

  • abgebrochene Haare
  • Haarausfall (Alopezie)
  • bakterielle Sekundärinfektionen, teils eitrig und krustig (meist durch starkes Kratzen verursacht)
  • veränderter Hautgeruch
  • Juckreiz und vermehrtes Lecken, teilweise kratzt sich dein Hund ständig
  • ausbleibender Juckreiz und trotzdem fortschreitender Haarausfall
  • allergische Reaktionen
  • die kahlen Stellen sind schuppig und rot

Viele Tiere sind symptomlose Träger (vor allem Katzen), da sie durch ein intaktes Immunsystem eine Art „Ko-Existenz“ mit den Pilzen leben (sogenannte Trägertiere).

Vor allem Kopf/Gesicht, Ohren und Gliedmaßen sind häufig betroffene Regionen.


5. Diagnose einer Hautpilzerkrankung

Grundsätzlich sollte bei Verdacht auf eine Hautpilzerkrankung ein zeitnaher Termin beim Tierarzt vereinbart werden.

Anhand der beschriebenen Symptome und Hautveränderungen stellt der Tierarzt dann den ersten Verdacht.

Nun gibt es 2 Möglichkeiten:

Entweder wird Dein Hund auf Verdacht mit einem Medikament anbehandelt.

→ Dies ist meist der Fall, wenn es sich um eine geringgradige Ausprägung handelt und der Hund in einem guten Allgemeinzustand ist.

Der nächste Schritt bzw. die zweite Möglichkeit ist die weitere Diagnostik, um den Verdacht zu bestätigen und andere Erkrankungen auszuschließen.

Medizinisch gesehen ist dies natürlich immer das Optimum, allerdings bedeutet Diagnostik mehr  Aufwand und ist mit höheren Kosten für Dich verbunden.

Auch für Deinen Vierbeiner bedeutet dies manchmal mehr Stress und die Probennahme kann recht unangenehm sein.

→ Deshalb wird Dein Tierarzt die Möglichkeiten mit Dir besprechen und von Fall zu Fall abwägen, wann er eine weitere Diagnostik für wichtig erachtet.

Welche diagnostischen Mittel gibt es denn?

Wood´sche Lampe

Eine sehr einfache und schnelle Möglichkeit der Diagnostik von manchen Mikrosporum-Arten. Werden sie mit dieser speziellen UV-Lampe beleuchtet, fluoreszieren sie grün.

Allerdings ist diese Methode nicht sehr sicher, denn nicht alle Mikrosporum-Pilze leuchten bei Betrachtung auf, ebenso wenig die anderen genannten Gattungen. Sie dient daher nur als erster Schnelltest.

Mikroskopische Untersuchung

Ein Hautgeschabsel (ein wenig Haut wird am Übergang vom betroffenen zum gesunden Bereich mit einer Skalpellklinge abgeschabt) oder einige ausgezupfte Haare werden unter das Mikroskop gelegt und direkt auf Pilze untersucht. Auch abgebrochene Haare eignen sich.

Diese Art der Untersuchung wird auch Trichogramm genannt und kann an Ort und Stelle ausgewertet werden.

Pilzkultur

Das Anlegen von einer Pilzkultur ist mit der sicherste Weg. Somit lässt sich nämlich auch die Pilzart feststellen und gezielter behandeln.

Diese Pilzkultur muss allerdings ca. 2-4 Wochen angezüchtet werden. Erst anschließend wird sie ausgewertet. Bis dahin wird Dein Hund auf Verdacht hin anbehandelt.

Biopsie

Eine Biopsie ist eine Probenentnahme von dem betroffenen Gewebe. Dieses wird in der Pathologie aufgearbeitet und anschließend auch mikroskopisch untersucht.

Eine Biopsieentnahme erfolgt oft mittels Stanze und der Hund muss dafür mindestens eine Lokalanästhesie bekommen. Bei hochgradigem Befall oder vielen verschiedenen Stellen muss der Vierbeiner in eine kurze Vollnarkose versetzt werden.

Da diese Methode recht aufwändig und auch belastend für Hund und Halter ist ist, wird sie nicht als allererste Methode eingesetzt.

Von Vorteil ist die Biopsieentnahme deshalb, da die verschiedenen Hautschichten genauestens mikroskopisch untersucht werden und somit oft eindeutige Ergebnisse liefern (die Hautprobe kann auch auf andere Veränderungen bzw. Erkrankungen untersucht werden).

Im Optimalfall werden die verschiedenen Methoden kombiniert und so gezielt der verursachende Pilz gefunden bzw. eine Hautpilzerkrankung ausgeschlossen.

→ Wie Du siehst, kann in manchen Fällen eine sofortige Diagnose gestellt werden, in anderen kann die Diagnose leider einige Wochen dauern.

Fazit:

Eine Pilzerkrankung per Blickdiagnose oder anhand der Symptome sicher festzustellen ist nicht möglich.

Sollten weitere Tiere (Katzen, Nagetiere etc.) mit im Haushalt leben, sollten diese alle tierärztlich mit kontrolliert werden. Ansonsten besteht die Gefahr einer Hin,- und Herübertragung zwischen den Vierbeinern.


6. Wie wird eine Hautpilzerkrankung behandelt?

Je nach Ausprägung des Befalls gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Grundsätzlich sollte auf Grund der Ansteckungsgefahr eine Pilzerkrankung mit Medikamenten behandelt werden – auch wenn es in manchen leichten Fällen, bei gesunden und immunkompetenten Tieren, zu einer Selbstheilung kommen kann.

Ziel der Behandlung ist die vollständige Eliminierung der Pilze. Ein Wiederaufflammen der Infektion wird somit vermeiden.

Einen weiteren Baustein stellt die Umgebungsbehandlung dar, damit es zu keiner Re-Infektion kommen kann. Ebenso wird die Ansteckungsgefahr anderer Haushaltsmitglieder gemindert.

Die Behandlung kann in manchen Fällen Wochen bis Monate dauern und sollte immer mit einer Abschlusskontrolle vom Tierarzt enden. Zu dieser Kontrolle gehört im Optimalfall, dass er Deinen Hund erneut auf Hautpilze untersucht, dies aber dann negativ ausfällt (empfohlen wird häufig sogar eine 2-malige Kontrolle).

Wichtig für Dich zu wissen ist, das Du Dich genau an die Behandlungsanweisungen Deines Tierarztes hältst. Dieser wird auch die folgend aufgeführten Maßnahmen mit Dir besprechen und Dir sagen, welche er in Deinem Fall für nötig erachtet.

Folgende Maßnahmen können ergriffen werden:

Behandlung des Hundes und anderer Haustiere

Zunächst wird Dein Vierbeiner vom Tierarzt die entsprechenden Medikamente (Fachbegriff: Antimykotika) verschrieben bekommen. Dies können sowohl topische (= äußerliche, lokale) Mittel wie beispielsweise Salben oder Shampoos sein, als auch Mittel die systematisch (also den ganzen Körper betreffend) gegeben werden. Dies entweder in Form von Tabletten oder Lösungen zum Einnehmen. Auch das Spritzen von Antimykotika ist manchmal nötig.

Tipp:  Das Scheren des Fells, vor allem bei langhaarigen Tieren, ist oftmals sehr hilfreich für eine erfolgreiche Behandlung. Hier sollte definitiv die Gesundheit über die „Schönheit“ des Hundes gestellt werden (Du wirst sehen, er wird für Dich der gleiche schöne Liebling wie immer bleiben ;))

Umgebungsbehandlung

Es sollte die gesamte Umgebung des Hundes, vor allem Schlaf,- und Liegeplätze gründlich gesaugt und gereinigt werden. So werden die infektiösen Haare und Hautschuppen entfernt und eine Verteilung im Haushalt reduziert.

In schweren Fällen müssen Fungizide Mittel (chemische oder biologische Mittel zur Abtötung von Pilzen oder Pilzsporen) zur Desinfektion der Umgebung eingesetzt werden.

Nicht zu vergessen sind alle Spielzeuge, Hundegeschirre und Halsbänder sowie Bürsten und Kämme Deines Vierbeiners.

Bis zu dem Moment, wo Dein Hund nachgewiesenermaßen wieder ganz gesund ist, sollten ihm nur die nötigen Spielzeuge etc. zur Verfügung gestellt werden, dadurch ersparst Du Dir zumindest etwas Arbeit und musst nicht ständig nach desinfizieren.

Die einfachere, aber teurere Alternative: Neuanschaffung von Spielzeugen und Hundekämmen und Entsorgung der alten.

Achtung, jetzt wird’s hart: Dein Vierbeiner sollte wirklich aus dem Bett verbannt werden, denn ansonsten erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung sehr.

Und: die Autoreinigung nicht vergessen…

Was kann ich sonst noch tun – gibt es prophylaktische Maßnahmen?

  • Bei mehreren Tieren im Haushalt sollten die Vierbeiner im Optimalfall für den Behandlungszeitraum getrennt gehalten werden, um so eine Ansteckung zu vermeiden. Wenn dies nicht möglich ist (zu wenig Platz oder zu starker Stress für die Tiere), so konzentrierst Du Dich am besten noch etwas mehr auf die Umgebungsreinigung. Eine Mitbehandlung Deiner Vierbeiner (wird grundsätzlich empfohlen) besprichst Du mit Deinem Tierarzt.
  • Hausmittel: Im Internet kursieren eine Menge verschiedenster Hausmittel, die helfen sollen. Damit bitte sehr vorsichtig sein, da sie im schlimmsten Falle sogar giftig für ein Haustier sein können.

Was du allerdings versuchen kannst, ist die betroffene Stelle zusätzlich mit Lavendelöl einzureiben (mit mind. 2 Stunden Abstand zur Salbe). Dieses wirkt tatsächlich auf manche Pilze abtötend. Am besten wenn Dein Vierbeiner danach abgelenkt ist (z.B. Spaziergang), damit er es nicht alles ableckt – aber keine Angst, reines Lavendelöl ist nicht giftig.

  • Bei schweren oder hartnäckigen Fällen kann zusätzlich ein versierter Tierheilpraktiker oder naturheilkundlich arbeitender Tierarzt aufgesucht werden. Eine ergänzende Behandlung ist sicherlich hilfreich. Zudem basiert diese Form der Behandlung häufig nicht nur auf der Abtötung des Pilzes, sondern vielmehr auf der Stärkung des Körpers und des Immunsystems – so schafft es der Hundekörper besser, mit dem Pilzbefall umzugehen und ihn zu bekämpfen.
  • Die beste Prophylaxe ist ein gesunder Organismus – wie beschrieben sind Pilzerkrankungen häufig bei geschwächten Patienten zu finden. Eine gesunde Ernährung sowie die nötige Zufuhr von wichtigen Nährstoffen für Haut und Fell sind essentiell (essentielle Fettsäuren, Biotin und andere B-Vitamine, Zink, Antioxidantien → ausführliches dazu findet Ihr hier)
  • Vermeide chronische Stress – dies macht auf Dauer viele Tiere (und auch uns Menschen) krank.
  • Bei anderen Tieren (dazu zählen auch Meerschweinchen, Kaninchen, Ratten etc.) im Haushalt bitte keine eigenständigen Versuche wie Teebaumöl oder die Gabe derselben Mittel ohne Rücksprache mit dem Tierarzt! Am besten einfach mit zum nächsten Tierarztbesuch nehmen und durchchecken lassen. → sollten diese betroffen sein, so gelten natürlich für Stall und Käfig die gleichen Hygienemaßnahmen.

7. Impfung gegen Pilzerkrankungen

Tatsächlich gibt es auf dem Markt mehrere Impfstoffe.

Diese schützen nicht vollständig vor Erkrankung oder Ansteckung. Der Sinn ist vielmehr, dass das Tier erst erkranken kann, wenn es einer höheren Infektiosdosis (starker oder ständiger Kontakt) ausgesetzt ist. Ebenso führt ein Hautpilzinfektion bei geimpften Tieren zu einer geringeren Ausprägung der Erkrankung bzw. der Symptome.

Zudem wird angegeben, dass bei erkrankten Tieren die Abheilung beschleunigt wird.

Die Impfung wird nicht als Standardimpfung eingesetzt und ist als diese auch nicht zu empfehlen. Vielmehr macht sie in manchen Tierheimen oder Hundezuchten Sinn, wenn diese mit regelmäßigen starken Befällen zu tun haben. Oder eben bei Einzeltieren, die immer wieder mit schwerem Befall oder schweren Verläufen zu kämpfen haben.

Ob eine Impfung für Deinen Vierbeiner sinnvoll ist, besprichst Du am besten mit Deinem Tierarzt.


8. Und was ist mit den Malassezien?

Die Malassezien-Dermatitis entwickelt sich erst, wenn die Hautflora im Ungleichgewicht ist.

Häufig vorkommend ist diese Entzündung auch im Mittelohr (Otitis).

Da es sich um Hefepilze handelt, ist ein klassischer Geruch nach Hefe wahrzunehmen (auch als „ranziger“ Geruch beschrieben).

Prädisponierende Faktoren für ein überschießendes Wachstum sind unter anderem: Hormonstörungen und Allergien, starke Hautfaltenbildung (z.B. die Rasse Shar-Pei), lange Hängeohren, längere Anwendung von Antibiotika etc.

Bei manchen Hunderassen ist auch eine Veranlagung zur Malassezien-Dermatitis oder Malassezien-Otitis gegeben (z.B. Westhighland-White-Terrier, Labrador-Retriever).

Eine Überbesiedlung mit Malassezien führt meist zu starkem Juckreiz – durch das Kratzen kann sich der Hund weiter verletzen und es können sogenannte Sekundärinfektionen auftreten (wie bei allem, was starken Juckreiz und Kratzen auslöst). Dies ist recht häufig der Fall, vor allem wenn der Vierbeiner zu spät behandelt wird.

Auch Malassezien können mikroskopisch nachgewiesen werden, dabei spricht man ab einer gewissen Zahl von einer Infektion bzw. überschießenden Vermehrung.

Wie erfolgt die Behandlung?

Die Behandlung besteht meist aus 2 Pfeilern, vor allem bei wiederkehrenden Infektionen.

Einerseits wird der Vierbeiner mit einem Mittel gegen die Malassezien (und ggf. gegen die entstandene Sekundärinfektion) behandelt.

Andererseits muss in vielen Fällen versucht werden, nach der Grundursache (=Primärerkrankung) zu forschen.

Bei einigen Hunden hilft auch eine Ernährungsumstellung bzw. Anpassung oder die Gabe von mehrfach ungesättigten Fettsäuren [s. Artikel Haarausfall].

In der Regel sind die Malassezien für den Menschen nicht ansteckend, es sei denn, es handelt sich um stark immungeschwächte Personen oder Kleinkinder. Eine Ansteckung erfolgt jedoch auch dort äußerst selten.


9. Zum Abschluss noch ein wichtiger Hinweis

Das Wichtigste zum Schluss: Auf keinen Fall die Behandlung gegen Hautpilze eigenständig frühzeitig abbrechen, auch wenn Dein Hund wieder gesund erscheint und keinen Haarausfall oder Juckreiz mehr zeigt. Ansonsten kann es schnell zu einer erneuten Infektion kommen und diese ist dann teils um so hartnäckiger wegzubekommen. (Das gleiche gilt übrigens auch für die Gabe von Antibiotika!). Die Therapie wird erst abgeschlossen, wenn Dein Vierbeiner beim Tierarzt eindeutig negativ getestet worden ist oder dieser Dir anderweitig Entwarnung gibt!

In manchen Fällen ist tatsächlich sehr viel Geduld und Durchhaltevermögen von Dir und Deinem Wuschel gefordert – ich wünsche euch dabei alles Gute und viel Kraft!

Julia Brüner
Julia Brüner
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