Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) beim Hund

Schilddrüsenwerte zu niedrig = sofortige Tablettengabe und Schilddrüsenwerte in der Norm = Hund gesund?

Leider nein!

Das Thema Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) beim Hund gehört wohl zu den am meisten medizinisch diskutierten und sehr umstrittenen Themen unter den Hundehaltern.

Fast jeder hat schon einmal davon gehört, jedoch besteht auch viel Unsicherheit bezüglich eindeutiger Diagnose und Therapie.

Ebenso steht die Schilddrüse in Zusammenhang mit Verhaltensauffälligkeiten des Hundes, auch dieses wird hier entsprechend thematisiert.


INHALTSVERZEICHNIS

  1. Lage und Funktion der Schilddrüse
  2. Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  3. Schilddrüsenüberfunktion beim Hund?
  4. Subklinische Hypothyreose und Verhaltensauffälligkeiten
  5. Symptome
  6. Diagnostik
  7. Therapie und Behandlung
  8. Prognose
  9. Vorbeugung (Prophylaxe) möglich?
  10.  Gang zum Tierarzt
  11. Gesamtfazit

1. Wo im Körper befindet sich die Schilddrüse und welche Funktion hat sie?

Die Schilddrüse befindet sich im oberen Halsbereich der Luftröhre, ein Stückchen unterhalb des Kehlkopfes.

Es handelt sich um ein hormonproduzierendes Organ, welches aus 2 Schilddrüsenlappen besteht. Diese liegen jeweils rechts und links direkt der Luftröhre (Trachea) an.

Im gesunden Zustand ist die Schilddrüse in der Regel nicht tastbar.

Die Schilddrüse ist verantwortlich für die Produktion von 3 Hormonen: Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) sowie Calcitonin (auch Kalzitonin geschrieben). Gleichzeitig ist sie auch Speicherort dieser Hormone.

Bei entsprechendem Bedarf werden die Hormone an das Blut abgegeben und an die Zielorgane transportiert.

Das Calcitonin wird in diesem Artikel nicht weiter thematisiert, da es nicht mit dem Thema Hypothyreose zusammenhängt.

Die Regulation der Hormonproduktion der Schilddrüse erfolgt übergeordnet durch die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse), welche an der Basis des Gehirns lokalisiert ist, sowie den Hypothalamus, welcher sich über der Hypophyse befindet und Teil des Gehirns ist.

Die jodhaltigen Hormone T3 und T4 bestimmen entscheidend diverse (fast alle) Stoffwechselprozesse im Körper. Dazu gehören unter anderem: der Energiestoffwechsel, diverse Zellfunktionen, der Wärmehaushalt, Aktivität von Muskeln, Organen und Nerven, die körperliche Entwicklung sowie das Verhalten.

Fazit: Die Schilddrüse hat eine zentrale Funktion für den Gesamtorganismus, sowohl körperlich als auch geistig. Entsprechend wichtig ist eine adäquate Behandlung bei einer Unterfunktion.

2. Was ist eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose)?

Bei der Schilddrüsenunterfunktion handelt es sich um eine Stoffwechselstörung, die sich schleichend (über Monate bis Jahre hinweg) entwickelt.

Die Schilddrüse des Hundes produziert dabei zu wenig Schilddrüsenhormone.

→ Es handelt sich daher um eine sogenannte endokrinologische Erkrankung .

Allgemein bedeutet dies, dass viele Teile des Stoffwechsels und die Zellen selbst nur noch verlangsamt arbeiten. Daraus resultieren dann entsprechende Symptome wie Gewichtszunahme, Fellveränderungen, verlansamter Herzschlag und Lethargie.

Diese Erkrankung tritt bei Hunden realtiv häufig auf, wird gleichzeitig aber auch häufig unter,- oder über(=fehl)-diagnostiziert.

Wie entsteht diese Unterfunktion?

In den allermeisten Fällen kommen zwei Ursachen in Betracht:

1. Es handelt sich um eine chronische Entzündung der Schilddrüse, genauer gesagt um eine    Autoimmunerkrankung (Fachbegriff: autoimmune oder lymphozytäre Thyreoiditis).

Das bedeutet, der Körper des Hundes produziert bestimmte  Entzündungszellen, welche Antikörper gegen die eigene Schilddrüse bilden.

Die Ursache dafür ist bis heute nicht eindeutig geklärt, eine genetische Veranlagung bei einigen Rassen ist jedoch gesichert.

→ Diese Form der Erkrankung ist in etwa vergleichbar mit der Hashimoto-Erkrankung der Schilddrüse des Menschen.

2. Es kommt es zu einem Schrumpfen (Atrophie) des Organs. Diese Form nennt sich „idiopathische Schilddrüsenatrophie“. Im Gegensatz zur ersteren Variante werden keine Entzündungszellen bzw. Antikörper gebildet, die Ursache des Schrumpfens ist unbekannt. Teilweise wird dies auch als Endstadium der lymphozytären Thyreoiditis gesehen.

In manch seltenen Fällen bilden sich auch Tumoren der Schilddrüse, diese sind jedoch im Gegensatz zur Katze oder des Menschen in aller Regel nicht hormonproduzierend.

Weitere seltenere Faktoren wie Mangel an Spurenelementen wie Jod, Zink und Selen, Alter, Verletzungen oder angeborene Unterfunkionen können beim Hund auch ursächlich sein.

Liegt die Unterfunktion nicht direkt in der Schilddrüse ( = primär), so kann es sich um eine sekundäre oder tertiäre Unterfunktion handeln (Ursache liegt in den Steuerzentralen Hypophyse oder Hypothalamus). Diese machen allerdings nur ca. 5% der Fälle aus.

→ Für die spätere Behandlung ist es in den meisten Fällen aber nicht wichtig, zu eruieren, da die Therapie die selbe ist.

Es sind vor allem Hunde mittelgroßer bis großer Rassen betroffen, jedoch nicht ausschließlich.

Je nach Quellenangabe gibt es eine gehäufte Anzahl von erkrankten Hunden bei bestimmten Rassen, allen voran der Golden Retriever, Boxer und der Dobermann-Pinscher.

Meist erkranken Hunde mittleren Alters (zwischen 4-7 Jahren – dies ist aber nur ein grober Richtwert).

Das „Euthyreot Sick Syndrom“

Dieses Phänomen, auch„non thyroidal illness“ genannt, bezeichnet einen zu niedrig gemessenen Wert an Schilddrüsenhormonen (i.d.R. bezieht sich dies auf den T4-Wert), obwohl der Hund nicht unter einer Hypothyreose leidet.

Wie kann das sein?

Gründe dafür sind entweder ein erhöhter Verbrauch an Schilddrüsenhormonen durch eine andere Erkrankung (!!) oder vermehrter Stress bzw. Energiebedarf (besondere Situationen, Trächtigkeit, Laktation etc.).

Ebenso führen manche Medikamente, vor allem Kortison, Phenobarbital und Sulfonamide, zu einer Unterdrückung der Schilddrüse.

Durch dieses Phänomen kommt es regelmäßig zu falsch diagnostizierten Unterfunktionen, weshalb grundsätzlich spätestens bei einem alleinig gemesssenen T4-Wert alle anderen Schilddrüsenwerte im Blut bestimmt werden sollten.

Fazit: Eine einmalige, alleinige Feststellung eines erniedrigten T4-Wertes rechtfertigt noch keine Diagnose geschweige denn Theraapie einer Hypothyreose!

3. Können Hunde auch eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) haben?

Faustregel: Hunde haben eine Unterfunktion (Hypo..), Katzen eine Überfunktion (Hyper..).

In beiden Fällen gibt es Ausnahmen, die allerdings äußerst selten Vorkommen. Bei Hunden handelt es sich dabei in aller Regel nicht um eine Erkrankung der Schilddrüse selbst, sondern um eine Fehlernährung (sogenannte alimentäre Hyperthyreose):

Einige Hunde, die mit rohem/frischen Fleisch und Organen gefüttert werden, nehmen regelmäßig auch Schilddrüsen(anteile) zu sich, die die entsprechenden Hormone enthalten.

Somit kommt es zu einem übermäßigen  Anstieg dieser im Blut und der Vierbeiner kann entsprechende Symptome entwickeln bzw. einen erhöhten T4-Wert aufweisen.

Die „Therapie“ erfolgt ganz einfach im Weglassen entsprechender Futtermittel, der Hormonhaushalt pendelt sich innerhalb einiger Wochen wieder von allein ein.

Weitere Erklärung:

Diese Ursache der Überfunktion entsteht in der Regel durch die regelmäßige Aufnahme der Hormone. Sollte Dein Vierbeiner also in einigen wenigen Fällen mal Schilddrüse erwischen, brauchst Du Dir keine weiteren Gedanken zu machen.

Wichtiger Tipp: Da die Schilddrüse nahe der Luftröhre gelegen ist, muss bei deren Verfütterung genau darauf geachtet werden, dass die Schilddrüse entfernt wurde. Ebenso bei der Verfütterung von Kehlkopf/Schlund sowie allen “BARF“-Mischfuttern, die Teile des Atmungstraktes enthalten.

Auch Geflügel verfügt über eine Schilddrüse.

Aber Achtung:

Das bedeutet nicht, dass Du aus Angst das BARFen komplett einstellen solltest – eine ernährungsbedingte Schilddrüsenüberfunktion kommt nicht übermäßig häufig vor, da diese meist bei der Produktion schon mit entfernt wird. Die allermeisten Produzenten sind inzwischen auch schon mit diesem Thema sensibilisiert.

Bist Du unsicher, so Frage einfach beim Hersteller Deines Vertrauens nach oder besprich eine eventuelle Blutuntersuchung mit Deinem Tierarzt.

Vermeiden kannst Du das Problem einfach durch Weglassen entsprechender anatomischer Bestandteile des Tieres.

Andere seltene Fälle der Überfunktion (dabei wird in der Regel ein zu hoher T4-Wert gemessen):

  • hormonproduzierende Tumoren
  • (Laborfehler)

4. Schildrüsenerkrankungen im Zusammenhang mit Verhaltensstörungen – oder auch: was bedeutet die „subklinische Hypothyreose“?

Das „klassische“ Bild einer Hypothyreose entsteht erst, wenn mehr als 75 % des Schilddrüsengewebes zerstört sind .

→ Kommen wir nun also zu den Hunden, bei denen weniger deutliche Symptome zu sehen sind und die Werte sich „noch“ im offiziellen „Normbereich“ befinden: die subklinische Hypothyreose.

Subklinisch bedeutet soviel wie „nicht eindeutig fesstellbar, unterschwellig“.

Bei der subklinischen Hypothyreose sind die gemessenen Schilddrüsenwerte noch im theoretischen Referenzbereich (also rein wissenschaftlich gemessen in der Norm – wenn auch meist schon im unteren Drittel).  

Die Werte des Hundes befinden sich dabei jedoch schon im Sinkflug, der Hund also in einer Art Grauzone. In dieser kommt es dann schon zu ersten Symptomen, in diesem Falle sind dies sehr häufig Verhaltensauffälligkeiten!

Wie kann sich eine subklinische Hypothyreose äussern?

Grundsätzlich können auch schon in diesem Stadium die klassischen Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion entstehen, nur nicht so extrem ausgeprägt.

Wiederkehrende Infekte, Entzündungen oder vereinfacht gesagt „mal hier was dann dort was“ können hinweisend sein.

Ein Symptomenkomplex sticht dabei aber besonders hervor: Verhaltensauffälligkeiten bzw. Verhaltensänderungen („der Hund ist nicht mehr der alte“).

Die betroffenen Vierbeiner zeigen oft paradoxe Verhaltensweisen, die eher bei einer Überfunktion zu erwarten wären: starke Gemütsschwankungen, unbegründete Ängstlichkeit, Unsicherheit, geringe bis keine Stressresistenz, übersteigerte Aggression (schnelle Reizbarkeit / „kurze Zündschnur“), Konzentrations,- und Lernschwierigkeiten, mentale Langsamkeit und diverse weitere Abweichungen vom Normalverhalten des Hundes.

Ausgeprägte Geräuschangst wird in manchen Studien als erstes und lange Zeit einziges Symptom beschrieben.

→ All diese Symptome können auch bei einem Hund mit einer eindeutigen Hypothyreose gesehen werden, bei diesen kommen jedoch meist (nicht immer!) weitere Symptome hinzu.

Deshalb ist hier neben diversen anderen Untersuchungen eine ausführliche sogenannte „Verhaltensanamnese“ besonders wichtig, damit der Tierarzt sich ein gründliches Bild von Deinem Vierbeiner machen kann – für den Tierarzt gilt nun die schwierige Aufgabe, herauszufinden, ob Verhaltensstörungen durch eine eventuelle subklinische Hypothyreose enstehen oder doch andere Ursachen wie Trauma, Erziehungsfehler oder eine andere körperliche Erkrankung dahinterstecken.

→ Nicht immer ist dies eindeutig Festzustellen und oftmals bleibt am Ende ein Hauptverdächtiger, gegen den ermittelt wird.

Entsprechend viele Hundetrainer sind mit dem Thema vertraut und raten regelmäßig zur Kontrolle der Schilddrüsenwerte bei Verhaltensauffälligkeiten. Dies ist aus heutiger Sicht in einigen Fällen absolut empfehlenswert!

Lag die Ursache dann tatsächlich in der Schilddrüse und ist der Vierbeiner dann einige Zeit in Behandlung, sind Trainingserfolge teils deutlich sichtbar.

Nicht zu vergessen:

Eine entsprechend adäquate Erziehung ist immer Teil der Verhaltenstherapie bei Auffälligkeiten, denn einmal eingebrannte Muster sind oftmals nur durch intensives Training wieder zu verändern!

Wie wird bei Verdacht therapiert?

Nochmal zur Verdeutlichung: es gibt (noch) keinen diagnostischen Parameter, der beweisend ist für eine subklinische Hypothyreose. Was also wird bei Verdacht gemacht?

Der Vierbeiner wird verdachtsweise mit Schilddrüsentabletten behandelt. (dieselben, die bei einer „normalen“ Hypothyreose gegeben werden).

Zeigen sich nach 4-6 Wochen (manchmal früher) Erfolge, so werden die Tabletten entweder wieder abgesetzt, um zu schauen, ob die Symptome wiederkommen (dies gilt dann in etwa als beweisend, die Tabletten werden dann natürlich weitergegeben) oder der Vierbeiner wird gleich weiterhin mit den Tabletten therapiert.

Diese Form der Therapie nennt man diagnostische Therapie und kann in einigen Fällen – auch bei unklaren Krankheitsursachen- einen Versuch Wert sein!

Sollte eine andere Ursache hinter den Symptomen stecken, so schadet es einem Hund nicht, wenn er mal versuchsweise für einige Zeit Schilddrüsentabletten bekommen hat (Hunde sind sehr resistent gegenüber der Ausbildung einer Hyperthyreose, da die Hormone im Körper schnell abgebaut werden).

Wie Ihr seht, ein schwieriges, teils diffuses Thema, welches ganze Bücher füllt. Ich hoffe, hier einen kleines Überblick über das Thema geschaffen zu haben.

5. Welche Symptome können auf eine Schilddrüsenunterfunktion hinweisen?

Die Symptome einer Hypothyreose sind ausgesprochen variabel, da fast der gesamte Organismus durch die Schilddrüse mitreguliert wird. Somit hat die Unterfunktion viele verschiedene Gesichter – teils mit recht eindeutigen Symptomen, teils aber auch mit sehr unklaren.

Kurz: Es gibt kein eindeutiges Symptom, welches ausschliesslich bei einer Hypothyreose vorkommt!

Da sich die Erkrankung meist schleichend entwickelt, entwickeln sich häufig auch die Symptome langsam oder verändern sich. Bei manchen Hunden werden sie immer stärker, bei anderen stagnieren sie ab einem bestimmten Moment.

Bei der angeborenen Form kommt es entweder zu Totgeburten oder leichten bis schweren Entwicklungsstörungen der Welpen.

→ Dies ist manchmal daran zu erkennen, dass ein Welpe in der Entwicklung deutlich hinter seinen Geschwistern liegt. Dafür kommen jedoch auch andere Ursachen in Frage (Mangelernährung, andere hormonelle Gründe für Zwergwuchs etc.).

Mögliche Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion (Liste nicht abschliessend):

  • Fettleibigkeit (Adipositas) bzw. schnelle Gewichtszunahme
  • Trägheit/Lethargie/Müdigkeit/Bewegungsunlust (wird oft erst im Nachhinein bei erfolgreicher Behandlung deutlich)
  • leichte bis sehr starke Hautveränderungen ohne Juckreiz (dieser entsteht teils sekundär durch Hautverletzungen)
  • Fellverlust (Alopezie)
  • Fellveränderung (Haarstruktur, Fellfarbe)
  • Hyperpigmentierung der Haut
  • Ohrenentzündungen
  • Neigung zum Frieren
  • der sogenannte „tragische/traurige“ Gesichtsausdruck, entsteht durch ein sogenanntes Myxödem im Kopfbereich
  • verlansgamter oder unregelmäßiger Herzschlag
  • Magen-Darm-Beschwerden wie Verstopfung, Durchfall oder Speiseröhrenstörungen (als alleinge Ursache jedoch nach wie vor fraglich)
  • generell erhöhte Infektanfälligkeit
  • Blutarmut (Anämie)
  • Fortpflanzungs,- oder Nervensystemerkrankungen bis hin zur Epilepsie (eher seltener)
  • frühzeitige „Vergreisung“ – der Hund wirkt schon in frühen Lebensjahren uralt

Fazit:

Schließe bei gewissen Verhaltenänderungen wie verminderter Bewegungslust oder Gewichtszunahme nicht einfach auf das Alter, sondern stelle Deinen Vierbeiner bei jeglichen Veränderungen immer dem Tierarzt vor!

6. Diagnose der Schilddrüsenunterfunktion – nicht immer so einfach

Welche Schilddrüsenwerte werden gemessen?

  1. T4 + TSH

→ der T4-Wert wird als erster Basiswert bestimmt. Genau genommen handelt es sich um das TT4, also das gesamte T4 im Körper (dieses liegt frei oder an Proteine gebunden vor). Befindet sich dieser in der Norm, so wird i.d.R. keine weitere Diagnostik durchgeführt. Oftmals wird auch gleich noch der TSH-Wert mitbestimmt.

            Was ist der TSH-Wert?

            TSH steht für Thyreoidea-stimulierendes Hormon bzw. Thyreotropin. Dieses wird in der            Hypophyse produziert und reguliert die Synthe (Herstellung) von dem T4.

            Das bedeutet praktisch: Ist T4 zu niedrig, steigt der TSH-Wert und umgekehrt.

  • fT4

Bei erniedrigen T4- und/oder erhöhten TSH-Werten können weitere Schilddrüsenwerte bestimmt werden, allen voran das fT4 (= freies T4 – dies dient unter anderem als Entscheidungshilfe zu dem Euthyreod Sick Syndrom)

→ Diese Werte sind in den meisten Fällen ausreichend für eine Diagnostik.

Weiter können das Gesamt-T3, Antithyroglobulin-Antikörper (ATA) und weitere Werte bestimmt werden. Es gibt auch einen sogenannten TSH-Stimulationstest.

→ Dies ist aber meist nur in speziellen Fällen notwendig.

In manchen Fällen wird der Tierarzt auch eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse durchführen, dies gehört aber nicht zum diagnostischen Standard.

Was wird noch überprüft?

Neben einer ausführlichen Anamnese (Vorbericht) durch Dich als Besitzer sollte bei Verhaltensstörungen eine weitere Verhaltensanamnese durchgeführt werden.

Desweiteren gehört zu einer gründlichen Befunderhebeung ein Organprofil sowie ein großes Blutbild – um andere Erkrankungen auszuschliessen bzw. weitere hinweisende Blutbefunde zu sammeln.

Wenn Den Hund geBARFt wird bzw. Du die Rationen selbst zsammenstellst, können noch Zink, Selen und Jod-Konzentrationen im Blut gemessen werden.

Andere Krankheiten, die Einfluss auf die Schilddrüsenwerte haben (wie beispielsweise Diabetes mellitus) sollten ausgeschlossen werden.

Weitere mögliche und hinweisende Laborbefunde sind:

  • Anämie (Blutarmut)
  • kleinere und daher vermehrte oder auch verminderte Thrombozyten (Blutplättchen)
  • erhöhter Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie)
  • weitere, seltenere Veränderungen von Enzymwerten bzw. Aktivitäten

Fazit:

Welche genauen (Blut)untersuchungen bei Deinem Hund erfolgen sollten, wird Dein Tierarzt mit Dir besprechen und auf Deinen jeweiligen Fall abstimmen.

7. Therapie und Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion

Ist die Diagnose gestellt oder eine diagnostische Therapie soll versucht werden, wird Dein Vierbeiner i.d.R. 2x täglich Tabletten einnehmen (alle 12 Stunden). Später kann bei vielen Hunden die Dosis auch auf eine einmalige Gabe am Tag reduziert werden.

→ die Tabletten müssen nüchtern gegeben werden, Dein Tierarzt wird Dich über die Gabe genau aufklären.

Diese Tabletten enthalten den Wirkstoff Levothyroxin, es werden also die fehlenden Hormonmengen ersetzt (substituiert).

Es wird mit einer bestimmten Dosis begonnen, die Schilddrüsenwerte dann nach ca. 4-6 Wochen kontrolliert. Je nach Befund wird die Dosis dann angepasst oder beibehalten.

Weitere, regelmäßige Kontrollen (ca 2 -3 x/Jahr) sollten unbedingt erfolgen, da der Bedarf an Schilddrüsenhormonen schwanken bzw. sich ändern kann (beispielsweise kann die körpereigene Hormonproduktion weiter sinken).

Ebenso sollte die Dosis überprüft werden, wenn der Hund im Laufe der Behandlung erneute Symptome oder Veränderungen zeigt.

Anzeichen für eine zu hohe Dosis an Levothyroxin (der Hund befindet sich damit im Stadium der Überfunktion) können sein: Nervosität, Hyperaktivität, Unruhe, vermehrtes Trinken, vermehrter Urinabsatz oder Gewichtsverlust (diese Symptome entwickeln sich beim Hund allerdings sehr selten).

Wann sehe ich eine Besserung der Symptome?

Dies ist von Hund zu Hund unterschiedlich und es kommt auch auf die Art der Symptome an.

Bei manchen Vierbeinern zeigen sich schon nach einigen Tagen Verbesserungen, bei anderen dauert es einige Wochen.

Starke Hautveränderungen beispielsweise brauchen einige Monate, um sich wieder zu erholen.

Das alte, veränderte Fell fällt zunächst aus und neues wächst langsam nach.

Bei weiteren schweren Störungen, beispielsweise neurologischen Problemen, kann es auch bis zu 3 Monaten dauern, bis sich alles wieder eingependelt hat.

8. Prognose

Ist der Hund auf Dauer gut eingestellt, so verschwinden in aller Regel die Symptome mit der Zeit vollständig. Somit ist die Prognose gut.

Die Tabletten müssen ein Leben lang gegeben werden, da diese Schilddrüsenerkrankung nicht geheilt werden kann.

Die häufigsten Ursachen für das sogenannte Therapieversagen sind eine falsch diagnostizierte  Hypothyreose (der Hund leidet dann meist an einer anderern Erkrankung), zu geringe Dosierungen oder nicht korrekt durchgeführte Tablettengaben (bspw. Tablettengabe nicht nüchtern sondern mit dem Futter).

In sehr seltenen Fällen muss ein Hund auch das Hormon T3 substituiert bekommen. Dies wird manchmal dadurch deutlich, dass Hunde trotz eines ausreichendes T4-Spiegels weiterhin Symptome aufweisen.

9. Ist eine Vorbeugung möglich?

Grundsätzlich ist es kaum möglich, einer Schilddrüsenerkrankung vorzubeugen.

Eine durch Jodmangel ausgelöste Unterfunktion lässt sich durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung des Hundes vermeiden.

Ebenso sollte Dein Vierbeiner die Leinenführigkeit lernen, gegebenfealls mit Hilfe eines professionellen Hundetrainers. Neben der Vermeidung des regelmäßigen Drucks auf den Halsbereich wirst Du mit dem richtigen Training sogar eine bessere Beziehung zwischen Dir und Deinem Hund erreichen können.

Kommt die Hypothyreose gehäuft in der Familie Deines Vierbeiners vor, so sollten diese Hunde ggf. von der Zucht ausgeschlossen werden (hier werden von den Laboren weitere Blutuntersuchungen angeboten).

Eine jährliche Blutkontrolle Deines Vierbeiners lässt eine beginnende oder subklinische Hypothyreose schneller erkennen und kann somit früher behandelt werden. Schwerwiegende Symptome lassen sich dadurch vermeiden.

10. Muss ich mit meinem Hund bei Schilddrüsenproblemen immer zum Tierarzt gehen?

Ja!

Durch eine nicht eingestellte Unterfunkion der Schilddrüse würde es mit der Zeit, je nach Grad des Mangels, zu mehr oder weniger schweren Symptomen kommen (nimm Dir bei Zweifeln nochmal die Symptomliste zu Herzen).

Folgeschäden könnten sich entwickeln, ebenso nimmt die Lebensqualität eines Hundes bei einer unbehandelten Krankheit grundsätzlich ab.

Bei Welpen, die sich nicht genügend entwickeln oder Krankheitssymptome aufweisen, sollte immer zügig ein Tierarzt aufgesucht werden.


Damit Du beim Tierarztbesuch nichts vergisst, hier eine kleine Zusammenfassung, an was Du alles denken kannst:

Checkliste für den Gang zum Tierarzt:

  • Videos von Verhaltensauffälligkeiten
  • Symptomliste
  • alle bisherigen Befunde (Zeitverlauf teils sehr wichtig)
  • Vorgeschichte des Hundes
  • alle anfallenden Fragen notieren
  • Grunderkankungen und Medikamente notieren, dabei nichts scheinbar unwichtiges weglassen

Ist Dein Hund einmal in Behandlung, so wirst Du zumindest für die Kontrollen der Schilddrüsenwerte in Zukunft regelmäßig beim Tierarzt sein.

11. Gesamtfazit

Die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) des Hundes ist ein breit gefächtertes Thema mit vielen Gesichtern.  

Die Diagnose muss immer aus Untersuchung und Gesamteindruck des Hundes sowie wichtigen Laborwerten gestellt werden.

Ratsam ist aus tierärztlicher Sicht bei regelmäßigen jährlichen Kontrollen die Schilddrüsenwerte mitzubestimmen, um eine Erkrankung bzw. langsame, aber stetige Verringerung der Schilddrüsenwerte festzustellen.

Ich hoffe, Euch bei diesem komplexen Thema weitergeholfen zu haben und wünsche Alles Gute!