Hund alleine lassen: wie lange, ab wann und wie du es trainierst
Erwachsene Hunde, die das Alleinbleiben gelernt haben, bleiben in der Regel bis zu vier bis sechs Stunden allein, Welpen nur ein bis zwei Stunden. Eine gesetzliche Höchstdauer gibt es in Deutschland nicht, die Tierschutz-Hundeverordnung fordert aber mehrmals täglich ausreichenden Kontakt zur Betreuungsperson. Alleinbleiben lernt dein Hund über kleinschrittiges Training mit Trennungen von Sekunden bis Stunden.
Das Wichtigste in Kürze
- Als Orientierung gilt: erwachsene, trainierte Hunde bis zu vier bis sechs Stunden, Welpen ein bis zwei Stunden. Acht Stunden Alleinsein an jedem Werktag gelten nicht als artgerechte Haltung.
- Das Tierschutzrecht nennt keine Stundengrenze. Die Tierschutz-Hundeverordnung verlangt in § 2 mehrmals täglich ausreichenden Umgang mit der Betreuungsperson.
- Alleinbleiben ist eine erlernbare Fähigkeit. Das Training beginnt mit Sekunden im Nebenraum und steigert sich in kleinen Schritten, immer bevor Stress entsteht.
- Bellen, Jaulen, Zerstören und Unsauberkeit sind Stresssignale und kein Ungehorsam. Eine Kamera zeigt dir, was in deiner Abwesenheit wirklich passiert.
- Wenn dein Hund plötzlich nicht mehr alleine bleiben kann, kommen Pubertät, Umzug, ein Schreckerlebnis, das Alter oder Schmerzen als Auslöser in Frage. Bei plötzlichen Veränderungen gehört eine tierärztliche Untersuchung an den Anfang.
- Bei echter Trennungsangst reicht Training allein oft nicht aus. Dann gehören eine qualifizierte Verhaltensberatung oder ein auf Verhaltensmedizin spezialisierter Tierarzt oder Tierärztin dazu.
Wie lange kann ein Hund alleine bleiben?
Ein gesunder, erwachsener Hund, der das Alleinbleiben gelernt hat, bleibt in der Regel bis zu vier bis sechs Stunden entspannt allein. Diese Zahl ist keine Rechtsnorm, sondern eine Empfehlung von Tierschutzorganisationen und tierärztlichen Praxen. Welpen, sehr alte Hunde und unsichere Hunde brauchen deutlich kürzere Zeiten, manche schaffen anfangs nur wenige Minuten.
Als Orientierung nach Lebensphase:
- Welpe bis etwa sechs Monate: ein bis zwei Stunden. Der Stoffwechsel arbeitet schneller, die Stubenreinheit ist noch nicht gefestigt, und die Aufmerksamkeitsspanne für Alleinsein-Training ist kurz.
- Junghund: zwei bis vier Stunden, abhängig davon, wie sicher das Alleinbleiben vor der Pubertät sitzt.
- ErwachsenerHund: vier bis sechs Stunden, wenn er es gelernt hat und gesund ist.
- Senior: individuell, oft wieder kürzer. Nachlassendes Hören und Sehen, häufigerer Harndrang und Gelenkbeschwerden verkürzen die Zeit, die ein Hund entspannt überbrücken kann.
- Hund mit Erkrankung oder frischer Operation: richtet sich nach der tierärztlichen Anweisung, nicht nach Faustregeln.
Wichtig ist, wie du diese Zahlen liest. Sie sind Obergrenzen für den Regelfall, keine Zielwerte. Sechs Stunden gelegentlich sind etwas anderes als sechs Stunden an fünf Tagen pro Woche. Und wer seinen Hund einen ganzen Arbeitstag über acht Stunden allein lässt, erfüllt sein Bedürfnis nach Sozialkontakt nicht. Realistische Lösungen dafür sind ein Gassi-Service, eine Hundetagesbetreuung, eine Mittagspause zu Hause oder die Möglichkeit, den Hund mit ins Büro zu nehmen.
Wie lange darf ein Hund alleine bleiben laut Gesetz?
In Deutschland gibt es keine gesetzlich festgelegte Höchstdauer für das Alleinlassen eines Hundes. Die Tierschutz-Hundeverordnung regelt in § 2 die allgemeinen Anforderungen an die Hundehaltung und verlangt, dass dem Hund ausreichend Auslauf im Freien sowie mehrmals täglich ausreichender Umgang mit der Betreuungsperson gewährt wird. Was „ausreichend" in Stunden bedeutet, steht dort nicht.
Diese Offenheit ist gewollt. Wie viel Alleinsein ein Hund verkraftet, unterscheidet sich zu stark nach Alter, Gesundheitszustand, Vorerfahrung und Trainingsstand, um es in einer einzigen Zahl zu regeln. Ein zwölfjähriger Hund mit Blasenproblemen und ein vierjähriger, gut trainierter Hund haben nichts Vergleichbares zu leisten.
Relevant wird die Rechtslage über das Tierschutzgesetz, wenn Alleinsein dauerhaft zu einer erheblichen Belastung führt. Dann kann die Haltung als nicht artgerecht bewertet werden, und die zuständige Behörde kann Maßnahmen anordnen. Es gibt also keine Strafe, die an einer bestimmten Stundenzahl hängt, sehr wohl aber eine Pflicht, die Bedürfnisse deines Hundes tatsächlich zu erfüllen. Für die Praxis heißt das: Die vier bis sechs Stunden aus dem Tierschutz sind der bessere Maßstab als die Frage, was gerade noch erlaubt ist.
Ab wann kann ein Hund alleine bleiben?
Mit dem Alleinbleib-Training kannst du beginnen, sobald dein Hund bei dir eingelebt ist, meist also nach ein bis zwei Wochen im neuen Zuhause. Vorher fehlt ihm die Sicherheitsbasis, auf die jedes Training aufbaut. Bei einem Welpen bedeutet das nicht warten, sondern klein anfangen: Mini-Trennungen im Nebenraum gehören von der ersten Woche an dazu, echte Abwesenheiten kommen später.
Ein Zeitfenster, das sich irgendwann schließt, gibt es nicht. Auch ein erwachsener Hund lernt das Alleinbleiben noch, und ein Hund aus dem Tierschutz, der bisher nie allein war, ebenfalls. Der Unterschied liegt in der Dauer. Bei einem Welpen ohne Vorbelastung geht es oft um Wochen. Bei einem erwachsenen Hund, der Alleinsein schon negativ verknüpft hat, sind Monate realistisch, weil zuerst die alte Verknüpfung aufgelöst werden muss, bevor eine neue entstehen kann.
Drei Dinge entscheiden, ob der Start gelingt. Erstens das Timing: Übe nur, wenn dein Hund satt, gelöst und körperlich müde ist, nicht wenn er aufgedreht durch die Wohnung fliegt. Zweitens die Länge: Komm zurück, bevor er unruhig wird, nicht erst danach. Drittens die Häufigkeit: Mehrere kurze Einheiten am Tag bringen dich weiter als eine lange am Wochenende.
Wie bringe ich meinem Hund bei, alleine zu bleiben?
Du bringst deinem Hund das Alleinbleiben bei, indem du die Trennung in sehr kleinen Schritten steigerst und immer zurückkommst, bevor er Stress zeigt. Der Aufbau läuft über vier Phasen: erst Distanz innerhalb der Wohnung, dann die geschlossene Tür, dann kurze echte Abwesenheiten, schließlich die Dauer. Jede Phase sitzt, wenn dein Hund sie mehrmals ruhig durchläuft, nicht wenn sie einmal geklappt hat.
Phase 1: Distanz innerhalb der Wohnung
Schick deinen Hund auf seine Decke und entferne dich ein paar Schritte. Dreh dich weg, geh in den Nebenraum, komm zurück. Wir sprechen von Sekunden, nicht von Minuten. Belohnt wird ausschließlich das ruhige Liegenbleiben. Steht dein Hund auf und folgt dir, war der Schritt zu groß, und du gehst eine Stufe zurück, ohne ihn zu korrigieren.
Phase 2: Die geschlossene Tür
Jetzt kommt die Tür ins Spiel, ohne dass du das Haus verlässt. Geh ins Bad, in die Küche, in den Flur, und schließ dabei jedes Mal die Tür. Ziel ist, dass das Türgeräusch seine Bedeutung verliert und zum Alltagsgeräusch wird. Viele Hunde reagieren bereits auf diesen Reiz und nicht erst auf die Abwesenheit.
Phase 3: Die Wohnung tatsächlich verlassen
Bevor du wirklich gehst, entkoppelst du die Vorzeichen. Nimm mehrmals täglich Schuhe, Jacke und Schlüssel in die Hand, ohne die Wohnung zu verlassen. Setz dich damit aufs Sofa, räum sie wieder weg. So verliert die Anziehprozedur ihre Ankündigungsfunktion. Erst danach folgen echte Abwesenheiten von einer halben Minute, dann von zwei, dann von fünf. Verzichte auf ein Abschiedsritual und auf eine überschwängliche Begrüßung. Je unspektakulärer dein Gehen und Kommen ist, desto weniger Bedeutung bekommt es.
Phase 4: Die Dauer verlängern
Steigere nicht linear. Wenn 20 Minuten geklappt haben, üb als Nächstes wieder drei Minuten, dann zehn, dann 25. Diese Variation ist der wichtigste Trick der ganzen Phase, denn sie verhindert, dass dein Hund eine Erwartungszeit entwickelt und ab Minute 21 anfängt zu rechnen. Den Fortschritt beurteilst du per Kamera, nicht am Zustand der Wohnung. Ein unbeschädigter Flur bedeutet nicht, dass dein Hund entspannt war.
Die vier häufigsten Fehler in dieser Phase: zu schnell steigern, nach der Rückkehr schimpfen, den Hund im Panikzustand trösten und nur am Wochenende üben. Wenn du über mehrere Wochen keinen Fortschritt siehst oder dein Hund auf dem Video durchgehend angespannt bleibt, ist das der Punkt, an dem professionelle Begleitung dazugehört. Weitertrainieren mit derselben Methode verschärft dann eher das Problem.
Woran erkennst du, dass dein Hund das Alleinsein nicht verkraftet?
Typische Anzeichen sind langes Bellen, Jaulen oder Heulen, zerkratzte Türen und Fensterrahmen, Unsauberkeit bei einem stubenreinen Hund, starkes Hecheln oder Speicheln ohne Hitze, Zittern und verweigertes Futter. Entscheidend ist nicht, ob dein Hund etwas kaputt macht, sondern ob er über die gesamte Abwesenheit unter Spannung steht. Hecheln ohne Hitze, Speicheln, Zittern und ein dauerhaft angespannter Körper gehören zu den typischen Stressanzeichen beim Hund, die du auf einer Kameraaufnahme oft deutlicher siehst als im direkten Kontakt.
Damit ist die Kamera der praktische erste Schritt, bevor du irgendetwas trainierst. Zeichne 30 bis 60 Minuten auf und schau dir vor allem die ersten fünf Minuten an. Dort entscheidet sich, ob dein Hund nach dem Türschließen herunterkommt und sich hinlegt oder ob er hochgeht. Ein Hund, der nach zwei Minuten schläft und beim Nachhausekommen wach ist, hat kein Problem. Ein Hund, der nach 40 Minuten noch an der Tür sitzt und hechelt, sehr wohl.
Ob dein Hund wirklich leidet oder nur kurz protestiert, verrät dir seine Körpersprache: eingezogene Rute, geduckte Haltung und abgewandter Blick sprechen für echten Stress, ein einmaliges Aufjaulen an der Tür nicht zwangsläufig. In unserem Artikel zur Körpersprache bei Hunden liest du mehr dazu.
Genauso wichtig ist die Frage, welche Ursache hinter dem Verhalten steckt, denn davon hängt die passende Maßnahme ab. Vier Profile lassen sich unterscheiden:
- Trennungsangst: Der Hund gerät in Panik. Er fixiert Ausgänge, kratzt an Türen und Fenstern, hechelt und speichelt, frisst nichts. Das Verhalten beginnt oft schon vor dem Gehen und lässt über die Zeit nicht nach.
- Frust und Kontrollverlust: Der Hund bellt in Richtung Tür oder Fenster, kommentiert Geräusche von draußen und begrüßt dich aufgeregt oder imponierend. Er ist nicht panisch, sondern gehindert.
- Langeweile und Unterforderung: Der Hund beschäftigt sich gleichmäßig mit allem Erreichbaren, ohne Panikprofil. Das passiert typischerweise bei jungen, unterforderten Hunden und nimmt mit besserer Auslastung deutlich ab.
- Medizinische Ursachen: Unsauberkeit, neu aufgetretene Unruhe oder nächtliches Hecheln können körperliche Gründe haben. Blasenentzündung, Magen-Darm-Probleme und Schmerzen gehören dazu.
Deshalb gilt: Wenn dein stubenreiner Hund plötzlich in die Wohnung macht, lässt du ihn zuerst tierärztlich untersuchen und trainierst danach. Am Verhalten zu arbeiten, während der Körper das Problem verursacht, funktioniert nicht.
Warum kann mein Hund plötzlich nicht mehr alleine bleiben?
Wenn ein Hund plötzlich nicht mehr alleine bleiben kann, steckt fast immer eine konkrete Veränderung dahinter: die Pubertät, ein Umzug, ein Schreckerlebnis während deiner Abwesenheit, das Alter oder Schmerzen. Bei einer plötzlichen Verhaltensänderung gehört eine tierärztliche Untersuchung an den Anfang und nicht ans Ende der Ursachensuche.
Pubertät. Im Gehirn eines Junghundes wird in dieser Phase umgebaut, und Dinge, die vorher selbstverständlich waren, wackeln plötzlich. Ein Hund, der als Welpe problemlos allein blieb, kann mit acht Monaten wieder an der Tür stehen. Sinnvoll ist dann, das Training eine Stufe zurückzunehmen, statt auf Durchhalten zu setzen.
Umzug oder Veränderung im Haushalt. Die vertraute Umgebung ist ein Teil der Sicherheit. Riecht und klingt alles neu, fehlt diese Grundlage. Nimm Körbchen, Decke und die gewohnten Tagesabläufe mit und bau das Alleinbleiben in der neuen Wohnung noch einmal auf, statt direkt bei der alten Dauer weiterzumachen. Das gilt auch, wenn ein Mensch aus dem Haushalt auszieht oder eine neue Person einzieht.
Ein Schreckerlebnis. Ein Knall, ein Gewitter, eine Baustelle oder ein hartnäckiges Klingeln in deiner Abwesenheit reicht manchmal, um die Verknüpfung zu kippen. Dein Hund hat dann nicht Angst vor dem Alleinsein an sich, sondern vor dem, was passieren könnte, während niemand da ist.
Das Alter. Nachlassendes Hören und Sehen erhöhen die Unsicherheit, weil ein alter Hund seine Umgebung schlechter einschätzen kann. Bei Hunden ab etwa zehn Jahren steckt hinter neu auftretender Unruhe manchmal eine beginnende kognitive Dysfunktion, die sich unter anderem in Orientierungslosigkeit und einem veränderten Schlafrhythmus zeigt.
Schmerzen und Erkrankungen. Gelenkbeschwerden, Zahnschmerzen, Blasen- oder Magen-Darm-Probleme führen dazu, dass ein Hund nicht zur Ruhe kommt. In Gesellschaft fällt das weniger auf, allein potenziert sich die Unruhe. Deshalb steht am Anfang der tierärztliche Check und nicht der Trainingsplan.
Was hilft bei Trennungsangst beim Hund?
Bei echter Trennungsangst hilft eine Kombination aus systematischer Desensibilisierung, entkoppelten Schlüsselreizen und professioneller Begleitung. Längere Trennungen zu erzwingen verschlimmert das Verhalten, weil ein Hund im Panikzustand kaum lernfähig ist. Trennungsangst zählt zu den situationsgebundenen Angstformen und lässt sich nicht durch Ignorieren abtrainieren. In unserem Beitrag zu Angst bei Hunden findest du Tipps dazu, wie du deinem ängstlichen Hund helfen kannst.
Der methodische Unterschied zum normalen Aufbautraining liegt in der Schwellenarbeit. Beim entspannten Hund steigerst du die Dauer, weil er sie verträgt. Beim angstbelasteten Hund arbeitest du konsequent unterhalb der Panikschwelle, und die kann bei fünf Sekunden liegen. Fortschritt heißt dann, dass aus fünf Sekunden acht werden, und das über Wochen. Wer stattdessen auf 20 Minuten springt, weil es „doch mal klappen muss", trainiert die Angst mit.
Wie häufig trennungsbezogenes Verhalten ist, hängt stark davon ab, wie man es definiert. In einer finnischen Halterbefragung mit rund 13.700 Hunden aus 264 Rassen gaben etwa fünf Prozent der Befragten trennungsbezogenes Verhalten an, während eine frühere Erhebung derselben Forschungsgruppe mit gut 3.200 Hunden auf etwa 17 Prozent kam. Der Unterschied liegt vor allem daran, ob nur deutliche Fälle oder auch leichte Anzeichen gezählt werden. Einig ist sich die verhaltensmedizinische Fachliteratur darin, dass Trennungsangst zu den am häufigsten beschriebenen Verhaltensproblemen beim Hund gehört. Du bist mit dem Thema also nicht allein.
Professionelle Hilfe ist der richtige Weg, wenn dein Hund panisch reagiert, sich selbst verletzt, Fluchtversuche unternimmt oder wenn du nach mehreren Wochen konsequentem Training keinen Fortschritt siehst. Ansprechpartner sind eine qualifizierte Verhaltensberatung oder ein auf Verhaltensmedizin spezialisierter Tierarzt. In schweren Fällen arbeitet die Verhaltensmedizin auch mit medikamentöser Unterstützung, begleitend zum Training. Diese Entscheidung trifft ausschließlich die Tierärztin oder der Tierarzt nach Untersuchung.
Was beruhigt Hunde, wenn sie alleine sind?
Beruhigend wirkt vor allem Vorhersehbarkeit: ein vertrauter Rückzugsort, feste Abläufe vor dem Gehen, ausreichend Auslastung davor und eine Geräuschkulisse, die Straßenlärm abmildert. Ergänzend können Kauen und Schnüffeln helfen, weil beide Tätigkeiten einen Hund typischerweise herunterbringen. Wichtig ist die Reihenfolge: Erst stimmt die Umgebung, dann kommen Hilfsmittel dazu.
Die Wohlfühlzone. Dein Hund braucht einen festen Liegeplatz an einer ruhigen Stelle, gern mit Blickschutz, aber nicht isoliert in einem dunklen Raum hinter geschlossener Tür. Wenn er am Fenster jede Bewegung auf der Straße kommentiert, hilft es, den Blick nach draußen abzuschirmen. Eine offene Hundebox ist eine gute Option, allerdings nur für Hunde, die sie bereits als Rückzugsort kennen.
Beschäftigung. Kauartikel, gefüllte und eingefrorene Spielzeuge und ein Schnüffelteppich überbrücken die erste Phase, in der die meisten Hunde am unruhigsten sind. Gib das Ganze kurz vor dem Gehen, damit deine Abwesenheit positiv verknüpft wird. Das funktioniert allerdings nur bei Hunden, die im Alleinsein noch fressen. Ein unangetasteter Kong ist deshalb kein Zeichen von Desinteresse, sondern ein wichtiges Diagnose-Signal: Ein Hund unter starkem Stress nimmt kein Futter.
Geräuschkulisse. Leise Musik oder ein laufendes Radio kann Geräusche von draußen überdecken, die deinen Hund hochziehen. Die Studienlage dazu ist dünn, und der wesentliche Effekt liegt im Übertönen der Auslöser, nicht in einer eigenen beruhigenden Wirkung der Musik.
Ernährung und Ergänzungsfuttermittel. Auch über den Napf lässt sich etwas beitragen. Die Aminosäure L-Tryptophan ist eine Vorstufe des Botenstoffs Serotonin, der an der Regulation von Erregung und Stimmung beteiligt ist. Eine im Journal of the American Veterinary Medical Association veröffentlichte Untersuchung an Hunden fand einen Zusammenhang zwischen einer zusätzlichen Tryptophan-Gabe und Verhaltensmerkmalen wie Übererregbarkeit. Auf trennungsbezogenes Verhalten wurde das bisher nicht untersucht. Für Baldrian gibt es Hinweise auf beruhigende beziehungsweise entspannungsfördernde Eigenschaften. Für Melisse beschreibt eine humanmedizinische Studie eine Wirkung auf das Stresserleben. Ob sie bei Hunden in gleicher Weise auftritt, ist nicht abschließend erforscht.
Als ergänzende Unterstützung im Trainingsalltag kann ein Entspannungs-Snack wie Relax Time mit Baldrian, Melissenblättern und L-Tryptophan dazu beitragen, dass dein Hund insgesamt ausgeglichener in die Trainingseinheiten geht. Er ersetzt weder das Training noch eine tierärztliche Behandlung, sondern begleitet beides.
Gut zu wissen: Ergänzungsfuttermittel und tierärztlich verordnete Beruhigungsmittel sind nicht dasselbe. Ergänzungsfuttermittel unterstützen begleitend und du kannst sie selbst einsetzen. Medikamente gegen Angstzustände sind verschreibungspflichtig, gehören in eine tierärztliche Diagnose und werden nie auf Verdacht gegeben. Wenn dein Hund so stark leidet, dass du über Medikamente nachdenkst, ist der Termin in der Praxis der richtige nächste Schritt.
Relax Time
Entspannungs-Snacks
- bei herausfordernden Situationen unterstützen
- mentale Balance begünstigen
- bei Reizbarkeit und Unruhe unterstützend wirken
- zur natürlichen Entspannung beitragen
Was tun, wenn dein Hund bellt oder jault und die Nachbarn sich beschweren?
Geh proaktiv auf die Nachbarn zu, bevor der Konflikt eskaliert, und dokumentiere per Kamera, wann und wie lange dein Hund tatsächlich Laut gibt. Damit kannst der Situation schonmal etwas den Druck nehmen, indem du kommunizierst, dass du das Problem kennst und daran arbeitest. Außerdem kannst du somit prüfen, wie lange und laut das Bellen deines Hundes tatsächlich ist.
Parallel reduzierst du die Abwesenheitszeiten auf ein Maß, das dein Hund ruhig durchhält, und baust von dort neu auf. Das bedeutet für eine Übergangszeit meist Betreuung: Gassi-Service, Tagesbetreuung, Nachbarschaftshilfe oder ein anderer Arbeitsrhythmus. Weiter auf Durchhalten zu setzen, während sich die Beschwerden häufen, hilft niemandem.
Ob dein Hund aus Frust, aus Angst oder als erlerntes Dauerbellen reagiert, macht für das Training einen Unterschied, weil Frustbellen meist nachlässt, sobald der Hund eine sinnvolle Alternative bekommt, Angstbellen dagegen nicht.
Langgezogenes Jaulen und Heulen ist bei Hunden ein Kontaktlaut und richtet sich an dich, nicht an die Nachbarschaft, weshalb Schimpfen nach der Rückkehr das Verhalten meist verstärkt. Dein Hund verknüpft die Strafe nicht mit dem Bellen von vor zwei Stunden, sondern mit deiner Rückkehr, und genau die soll ja der entspannte Teil des Tages werden.
Von Anti-Bell-Halsbändern mit Sprüh-, Vibrations- oder Reizfunktion ist abzuraten. Sie unterdrücken das Symptom, ohne die Ursache zu berühren, und erhöhen bei einem ohnehin gestressten Hund die Belastung zusätzlich. Rechtlich gilt: Ruhezeiten sind kommunal geregelt, und anhaltendes Hundegebell kann eine Ordnungswidrigkeit sein. In der Praxis lösen sich diese Fälle fast immer über das Gespräch und über sichtbaren Trainingsfortschritt, nicht über das Ordnungsamt.
Welcher Hund kann gut alleine bleiben?
Ob ein Hund gut alleine bleibt, hängt deutlich stärker vom Training und von seiner Vorgeschichte ab als von der Rasse. Rassetypische Neigungen gibt es trotzdem: Hunde aus Linien, die für unabhängiges Arbeiten selektiert wurden, tun sich im Schnitt leichter als stark auf den Menschen ausgerichtete Begleit- und Hütehunde, die auf ständige Kooperation gezüchtet sind.
Das ist aber eine schwache Vorhersage. In der finnischen Untersuchung mit rund 13.700 Hunden unterschieden sich Angst- und Stressmerkmale zwar messbar zwischen den Rassen, erklärten aber nur einen Teil der individuellen Unterschiede. Es gibt entspannte Border Collies und panische Labradore. Wer sich auf die Rasse verlässt, verlässt sich auf den falschen Faktor.
Was tatsächlich zählt:
- wann mit dem Alleinbleib-Training begonnen wurde
- welche Erfahrungen der Hund mit Alleinsein bereits gemacht hat
- Alter und Gesundheitszustand
- ob der Hund körperlich und geistig ausreichend ausgelastet ist
- das individuelle Temperament, unabhängig von der Rasse
Ein Hinweis für alle, die noch vor der Anschaffung stehen: Such nicht die Rasse aus, die angeblich am längsten allein bleiben kann, sondern prüf ehrlich, ob dein Alltag zu einem Hund passt. Listen mit „berufstätigen-tauglichen" Rassen führen regelmäßig zu Hunden, die genau daran scheitern.
Quellen
- Bundesministerium der Justiz. Tierschutz-Hundeverordnung (TierSchHuV), § 2 Allgemeine Anforderungen. https://www.gesetze-im-internet.de/tierschhuv/
- PETA Deutschland e.V. Hund allein lassen: wie lange ist okay? 8 Tipps zum Üben. https://www.peta.de/themen/hund-alleine-lassen/
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- Salonen, M., Sulkama, S., Mikkola, S. et al. (2020). Prevalence, comorbidity, and breed differences in canine anxiety in 13,700 Finnish pet dogs. Scientific Reports 10, 2962. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7058607/
- Ogata, N. (2016). Separation anxiety in dogs: What progress has been made in our understanding of the most common behavioral problems in dogs? Journal of Veterinary Behavior 16, 28–35. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1558787816000216
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- Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich. Phytotherapie-Datenbank, Eintrag Valeriana officinalis. https://www.vetpharm.uzh.ch/phytodb/0058_phy.htm
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